Plenty

Plenty. Ein einziges Wort im Titel, das mit Üppigkeit, Fülle, Reichtum, Menge, Überfluß übersetzt werden kann. Denkt man ans Kochen, ans Essen, dann läßt das Kopfkino Bilder von schwerem, üppigen Essen, übervollen Tafeln und Mägen entstehen. Wir denken an Fett, Zucker, unglaublichen Genuß, Schlemmen, unendliche Tafelfreuden, Lust am Essen. Kurz: Das Buch als Verkörperung des diabolischen Konzepts der puren kulinarischen Sünde; einem Konzept, das uns die moderne Diätindustrie erfolgreich in die Köpfe gehämmert hat.

Wer Plenty in der Hand hält, erwartet all dies und noch mehr, wenn er das Buch aufschlägt. Er erwartet Rezepte mit Sahne, Trüffeln, Wild, Steaks, Austern, Sahnetorten. Plenty eben. Doch diese Erwartungen werden enttäuscht. Plenty ist…vegetarisch. Durch und durch durchwachsen mit Kräutern, Gemüsen, Wurzeln, Reis, Couscous, Obst. Keine Sahne, kein Fleisch, keine Austern, keine Torten. Nicht einmal Süßspeisen. Doch in einem hält es, was der Titel verspricht, denn dieses Buch ist in der Tat die Verkörperung der puren Lust am Genuß. Nur eben ohne Fleisch. Und ohne Sünde.

Plenty ist statt dessen übervoll mit kreativen und ungewöhnlichen Rezepten, die ein hartnäckiges Vorurteil ebenso hartnäckiger Carnivoren Lügen strafen: nämlich daß vegetarische Küche langweilig sein soll. Denn das ist sie nicht! Wir finden hier keine traurigen, einsamen Salatblätter, die in fettarmem Dressing ertränkt, ihr Dasein fristen, hinuntergewürgt von den vertrockneten Überbleibseln der 80-Jahre-Müsli-Bewegung, die ja doch nur insgeheim neidisch auf ihre fleischfressenden Mitbürger sind. Nein, keineswegs! Plenty überzeugt auch den eingefleischtesten Fleischesser, daß Fleisch nicht notwendig zu Tafelfreuden beitragen muß. Genuß geht auch ohne totes Tier! In einer nie geahnten Fülle an verrückten, wunderbaren Rezeptideen zeigt uns Ottolenghi auf nahezu 280 Seiten ausbreitet die köstlichsten Rezepte. Gefüllte Zwiebeln, Wassermelonensalat, Kichererbsenauflauf, Feigen an Rucola, Marinierter Büffelmozarella und, und, und…Plenty eben. Der Titel hält, was er verspricht.

Die Rezepte, illustriert durch die wunderbarsten Foodfotos von Jonathan Lovekin, werden lose nach Gemüsekategorien geordnet: so gibt es das Kapitel Grünes, gekochte und ungekochte Blätter, Wurzelgemüse, Pasta, Reis und viele mehr. Die hierzulande so vernachlässigte Aubergine bekommt sogar ein ganzes Kapitel gewidmet – kein Wunder, denn Ottolenghi stammt ursprünglich aus Israel. Die Küche seiner Heimat prägt die Rezepte dieses Buches, gemischt mit britischen, asiatischen und arabischen Einflüssen, die insgesamt einfach nur zu einem verleiten: zum Nachkochen. Sofort und auf der Stelle!

 

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Yotam Ottolenghi gilt in der Londoner Restaurantszene als einer der „most exiting new talents in the world of cookery and food writing.“ – also eines der aufregendsten neuen Talente in der Welt des Kochens und des Schreibens übers Kochen. Yotam Ottolenghi besitzt im Londoner „Guardian“ eine eigene Kolumne, aus der die Rezepte des Buches zum Teil stammen. Und keine Angst vor dem Englischen, dieses Buch ist ebenso auf Deutsch erschienen. Mir persönlich war lediglich der Titel „Genußvoll Vegetarisch“ zu dröge und trocken, als daß ich das Buch auf Deutsch im Regal haben wollte. Es klingt einfach zu gesund…


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Kategorie Allgemein

Ich bin ausgebildete Verlagskauffrau, promovierte Kunsthistorikerin und inzwischen als Food- und Landschaftsfotografin bei mehreren internationalen Agenturen tätig. Ich habe mich der Fotografie gewidmet, weil kreatives Arbeiten unglaublich wichtig für mich ist und ich keinen Job ertragen könnte, bei dem ich von acht bis fünf am Schreibtisch sitze.

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