No Fashion please! Eine Passion. Eine Fotoschau in Wien

Fotografie und Mode, Mode und Fotografie. Zwei, die zusammengehören. Zwei, die  manchmal, aber nur manchmal von der intellektuellen Elite mit verächtlich hochgezogenen Augenbrauen und äußerst mißtrauisch beäugt werden. Darf man Mode ernst nehmen? Diese oberflächliche Glitzer- und Glamour-Welt? Darf man Modefotografie ernst nehmen? Ist Mode Kunst? Kann die Auseinandersetzung mit Mode Kunst sein? Die Ausstellung No Fashion, please! Fotografie zwischen Gender und Lifestyle in der Kunsthalle Wien setzt sich zwar nicht mit dieser Frage auseinander – allein die Tatsache, dass der Modefotografie eine Schau gewidmet wird, beantwortet, welchen Standpunkt die Macher der Ausstellung diesbezüglich einnehmen. Die Ausstellung, die am 10. November ihre Pforten öffnet, spielt statt dessen mit dem Klischee, das die Modefotografie umgibt.

Alex Prager, Rita, aus der Serie/from the series Week-End, 2009, © Alex Prager, Courtesy Alex Prager und/and Gallery Yancey Richardson, New York

19 Einzelpräsentationen repräsentieren hier die internationale Fotografieszene. Gezeigt werden Fotografien aus der Sammlung Gundlach, seines Zeichens selbst Modefotograf.

Bekleidung und Körper, Körperästhetik und die Strategien der Modefotografie stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Hier werden wir aber nicht die rein funktionalen Bilder unzähliger Fashion-Magazine finden, sondern eine Schau, die „bewusst […] den Wunschvorstellungen und Idealen einer sich veränderten Körperästhetik innerhalb der letzten zwei Dekaden“ nachgeht. Schrill, grenzüberschreitend, provokant sind diese Fotos. Die Ästhetik der gezeigten Arbeiten ist nicht die der Modeindustrie, sondern vielmehr eine Auseinandersetzung mit dem Thema Mode und Körper.

Chan-Hyo Bae, Existing in Costume 1b, 2006, © Chan-Hyo Bae, Courtesy Aando Fine Art, Berlin

„Nicht schön“, so könnte der Titel der Ausstellung auch lauten. Viel brennender als die bloße Oberflächenschönheit interessiert die Frage nach der Identität, die durch Mode festgelegt wird. Wie manifestieren sich Zugehörigkeiten? Insbesondere die Arbeiten von Chan-Hyo Bae und Lea Golda Holtermann beschäftigen sich mit dieser Frage.

Matthias Herrmann, Living in the Here and Now is Tricky and Fashion Knows it, Victoria Bartlett, 27.12.1996, © Matthias Herrmann, Courtesy Galerie Steinek, Wien/Vienna

Ein ganz anderer Blickwinkel ist der Ausgangspunkt, von dem Matthias Herrmann und Martin & the evil eyes of Nur ihre Fotografien vorstellen: Geschlechtergrenzen werden verwischt, die schwule Subkultur vom Mainstream assimiliert, für sich verwertbar gemacht. Form – Körper – Erscheinungsbild – Wirkung – Konvention. Alles hängt miteinander zusammen. Kleidung definiert Körper, dessen Erscheinungsbild, unsere Wahrnehmung. Jeff Bark, Steven Cohen/Marianne Greber, Luigi & Luca oder auch Sophia Wallace beziehen sich auf diese Dialektik von Form und Erscheinung des Körpers sowie seiner Verwandlung.

Spannend ist diese Ausstellung auf jeden Fall, nicht nur für Modefreaks oder – hasser. Die sehenswerte Schau ist noch bis zum 22. Januar 2012 in der Kunsthalle Wien zu sehen.

 

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No Fashion, Please!
Fotografie zwischen Gender und Lifestyle
10. November 2011 – 22. Jänner 2012
KUNSTHALLE wien
Museumsplatz 1
A-1070 Wien
Tel. +43-1-52189-0
Fax +43-1-52189-1217
e-Mail: office@kunsthallewien.at

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Kategorie Allgemein

Ich bin ausgebildete Verlagskauffrau, promovierte Kunsthistorikerin und inzwischen als Food- und Landschaftsfotografin bei mehreren internationalen Agenturen tätig. Ich habe mich der Fotografie gewidmet, weil kreatives Arbeiten unglaublich wichtig für mich ist und ich keinen Job ertragen könnte, bei dem ich von acht bis fünf am Schreibtisch sitze.

2 Kommentare

    • Ne, geht leider nicht. Aber ich würde gerne. Die Ausstellung hört sich einfach total interessant an. Hach ja, aber man kann nicht alles machen.

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