Samstagsschnipsel

Ich hätte ja nie, nie, nie gedacht, daß ich das jemals sagen würde, aber: MEINE GÜTE war das Kind heute LANGWEILIG! Ich saß seit dem Mittagessen wartend mit einem Buch in der Hand auf dem Sofa und wollte, daß Mössjöh endlich mal in die Puschen kommt. Bei dem schönen Wetter wollte ich raus. Frische Luft schnappen. Die letzten schönen Herbstsonnenstrahlen genießen solange die Bäume noch rotgold sind.

Und was macht der Knilch? Der zerfetzt lieber meine Styroporplatte (die ich zum fotografieren immer nehme) mit seinem neuen Haiauto (nicht fragen, ein Geburtstagsgeschenk *augenroll*), verstreut Styropor im gamzen Wohnzimmer, weigert sich, es wieder wegzusaugen und erzählt irgendetwas von Eisbergen. Hört CDs. Ich warte. Spielt mit den Playmo-Piraten, mit Autos, hört CDs. Ich warte. Malt, hört CDs, der inzwischen vierte Durchlauf der Bibi Blocksberg. Ich warte und lese und hasse Bibi.

Meine Teilnahme war übrigens nicht gefordert. Danach kam er auf die Idee, den Adventskalender vom letzten Jahr zu befüllen. Ich wollte eigentlich nur meine Weihnachtskugeln sichten und mich fragen, ob ich es rechtfertigen kann, noch ein paar Kugeln dazu zu kaufen – Weihnachtstüddelkram. Was für Mädchen, Sie wissen schon. Außerdem habe ich die Deko überlegt. Aber egal. Der Knilch befüllt den Adventskalender mit seinen Autos und hat die Weihnachtssaison kurzerhand jetzt eingeleitet. Bis zum 24. November wird es scheinbar jeden Tag ein Auto geben. Ein altes versteht sich. Ich glaube, er kann Weihnachten nicht erwarten.

Ich jedenfalls warte immer noch, die Sonne macht sich dran unterzugehen und mir reißt der Geduldsfaden. Ich ziehe mich einfach an. Punkt. Kind schreit. Motzt. Nölt. Will sich eine kurze Hose anziehen (du hast gesagt, es ist schön draußen!!!) und wir machen uns gegen vier endlich auf gen Wald.

Der Kleine tobt durchs Laub, ist glücklich, ich kriege meine frische Luft und noch ein wenig Sonne. Meine Güte, was für ein Theater das war, bis wir endlich so weit waren…

Seit heute sind wir übrigens stolze Besitzer eines halbverfaulten Birkenstammes. Weihnachtsdeko. Man sieht nicht, daß der Stamm morsch ist, das ist nur innen so, daher macht das nichts. Ich wollte unbedingt einen Birkenstamm, nachdem ich in einer Zeitschrift die Weihnachtsdeko zutiefst bewundert habe. Außerdem nadelt Birke nicht. Aber ich glaube, ich rufe trotzdem doch mal den Förster an und gucke zu, daß wir die Birke gegen eine frischere upgraden können, sie sieht etwas traurig aus.

Wir haben jetzt übrigens einen Babysitter. Wenn es Mittwoch gut klappt, dann steht demnächst dem ein oder anderen freien Abend nichts mehr im Wege. Yaaayyy!

Heute abend Cars ausgeliehen. Den ersten Teil. Das Kind fand das soooo cool und ist noch mehr Fan als zuvor schon.

Ich bin fest überzeugt, daß es Gespenster gibt. Eines wohnt bei uns. Ich bin sehr fest überzeugt, speziell, wenn es dunkel, kalt und einsam ist. Ich achte also abends immer darauf, daß die Türe meines  begehbaren „Kleiderschranks“ (aka umfunktionierte Abstellkammer mangels Platz für einen größeren Kleiderschrank) immer schön feste geschlossen ist. Es tut nichts, unser Hausgespenst, es raschelt nur manchmal. Aber trotzdem…Poltergeist läßt grüßen.

Das Kind rechnet fröhlich vor sich hin. Nebenbei beim Spazierengehen. Eins plus zwei sind drei, das weiß er schon lange. Zwei plus zwei ist vier klappt im Kopf, drei plus drei ebenfalls, bei vier plus vier wird die Hand zu Hilfe genommen, vier plus eins wiederum klappt ohne Probleme. Er macht es nebenbei, es interessiert ihn, er findet es spannend. Bis 60 zählen kann er allerdings noch nicht, es klappt nur bis 50. Mich ärgert es jedenfalls, wenn dann irgendjemand daherkommt, der den Knilch zwei Stunden gesehen hat und mir empfiehlt, ihn vielleicht doch besser noch ein Jahr von der Schule zurückstellen zu lassen. Also bitte. Er ist gerade fünf geworden. Er kann zählen, Buchstaben, hat angefangen zu rechnen. Nächstes Jahr geht er ja auch noch gar nicht in die Schule. Nur wie bitte soll ich das noch ein weiteres Jahr vertreten? Und warum die Bemerkung? Weil er die Lego-Bauanleitung nicht kapiert hat. Ein Ding, das er dort zum ersten Mal in seinem Leben gesehen hat, weil wir so etwas gar nicht haben, bzw. seit dem Geburtstag dann schon. Hier ist er von diesen Bauanleitungen gar nicht so begeistert. Er baut gerne mit Lego, das ja, aber nicht nach Anleitung. versteht er ja schon, aber dauert zu lange, ist zu mühsam, geht doch auch so. Mister Ungeduld eben. Was mich aber noch mehr ärgert als diese Bemerkung ist die Tatsache, daß mich diese Bemerkung überhaupt ärgert. Sollte es nicht egal sein? Mir sollte es doch wirklich egal sein, ob mein Kind mit zehn Jahren den Nobelpreis bekommt oder sich dann immer noch nicht die Schuhe zubinden kann. Kind ist Kind und genau richtig, so wie er ist, egal ob eine oder eine Million Gehirnzellen. Es gibt wirklcih Wichtigeres. Punkt. Bah, echt mal.

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Ich bin ausgebildete Verlagskauffrau, promovierte Kunsthistorikerin und inzwischen als Food- und Landschaftsfotografin bei mehreren internationalen Agenturen tätig. Ich habe mich der Fotografie gewidmet, weil kreatives Arbeiten unglaublich wichtig für mich ist und ich keinen Job ertragen könnte, bei dem ich von acht bis fünf am Schreibtisch sitze.

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