Sonntagsspaziergang

Frische Luft brauchten wir heute alle. Da die Familie sich geweigert hat, meinen Wünschen (Fotografieren) entgegen zu kommen und wir außerdem nur ein Erwachsenenfahrrad besitzen, haben wir uns heute getrennt. Zwei Stunden Nachmittagsvergnügen für Mama, zwei Stunden (dringend benötigte) Radtour für das Kind und den Mann. Ausgetobt war das Kind aber trotzdem nicht. Er hat uns vor dem Nachmittagsausflug hibbelig gemacht und hinterher noch mehr. Ich freue mich auf den Sommer und besseres Wetter.

Vor dem Ausflug habe ich aber noch kurz ganz schnell die Croissants fertig gemacht. Dem Kind hat nämlich heute morgen nach Croissants gelüstet, wir Erwachsenen haben diesen Wunsch mit dem lapidaren „Wir können schließlich nicht jeden Tag zur Bäckerei“ zunächst einmal abgeschmettert. Enttäuschung, Gemotze und Genöle, dann Akzeptanz und Einfügen in das schwere Schicksal, sonntags morgens keine Croissants zum Frühstück zu haben. Ich habe als kleine Überraschung beschlossen, einfach selber welche zu backen. Aus dem Entschluss wurde ein chaotischst in die Tat umgesetztes Zeitverbringding. Wenn man das Rezept auch nur halb liest! Die Zutaten wurden lieblos zusammengerührt, Schritt vier vor Schritt zwei gemacht und alles ließ sich nicht rückgängig machen: die Butter schmiegte sich schon ausgerollt eng zwischen zwei Teigschichten. Es hieß hier: weitermachen. Der Teig wurde direkt gekühlt, das Gehenlassen sowie die Hefevorgärung habe ich mir gespart, dann kam er nach dem dritten Ausrollen doch in den Backofen um zu gehen, nach zehn Minuten erschien mir das als doofe Idee, also kam er wieder in den Kühlschrank und nach dem vierten Ausrollen war mir die Warterei zu lang und das Ding kam für zehn Minuten ins Eisfach. Da kühlt es schneller. Anschließend durfte der Hefeteig doch noch normal gehen. und da soll mir jetzt noch jemand sagen, Hefeteig sei empfindlich! Glaube ich alles nicht. Tiefkühlfach, stundenlanger Kühlschrankaufenthalt – kein Thema, denn der Teig ist wunderbarst hochgegangen.

Lecker. Und sie waren auch nicht süß. Nur falls jemand nach meinem Süßkramverzicht fragt. Übrigens macht es mir nichts aus, keinen Süßkram zu essen. Was mir was ausmacht ist, all diese Leckereien nicht anfertigen zu können. Komisch.

Nun, wie auch immer. Demnächst noch mehr von diesen her, dann aber in reichlicher Menge um den Rest einzufrieren – für die paar Dingelchen lohnt der Riesenaufwand nicht.

Danach bin ich aufgebrochen und habe mich gefreut, dass die Sonne doch noch ein Einsehen hatte und hinter den Wolken hervorgelugt hat.

Dummerweise schien das nur ein kurzes Intermezzo zu sein, wenn man der Wettervorhersage glauben will. So richtig zufrieden war ich nicht. Es ist nicht mehr richtig Winter, aber auch noch nicht richtig Frühling. Die Farben sind winterlich blaß und ausgebleicht und in der Natur sieht es irgendwie ein wenig zerrupft und verlottert aus. Wird Zeit, dass der Frühling endlich richtig kommt. Fotos habe ich trotzdem gemacht, komme aber noch nicht richtig aus der Winterstimmung raus.

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Ich bin ausgebildete Verlagskauffrau, promovierte Kunsthistorikerin und inzwischen als Food- und Landschaftsfotografin bei mehreren internationalen Agenturen tätig. Ich habe mich der Fotografie gewidmet, weil kreatives Arbeiten unglaublich wichtig für mich ist und ich keinen Job ertragen könnte, bei dem ich von acht bis fünf am Schreibtisch sitze.

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