Der Rückweg, Teil 2 (letzter Teil)

Wie angedroht kommen noch ein paar Worte zum Rückweg. Inzwischen sind die Fotos auch einigermaßen gesichtet. So viel mehr gibt es ja auch nicht.

Wir waren in Oban, einem Hafenstädtchen an der Westküste Schottlands, stehen geblieben. In der Jugendherberge des Ortes haben wir übernachtet, morgens gefrühstückt, was an sich ja nichts Besonderes ist. Allerdings hat die Begegnung während des Frühstücks mir ein wenig die Sprache verschlagen und ich weiß immer noch nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll. Und zwar haben wir eine mittelalterliche, weitgereiste Amerikanerin getroffen, die uns mit ausländerfeindlichen Parolen vollgemüllt hat. Einwanderer, Terroristen, die in ihr Land einwandern, blablabla.

Historische Genauigkeit bei ihrer Jammertirade hat sie nicht weiter bekümmert. Jetzt aber kommts. Sie hat uns nach den „Safe Houses“ gefragt. Ich wußte nicht, was sie meinte, doch es stellte sich heraus, dass Deutschland für die gute Dame von Terroristen überflutet ist, die alle sichere Zufluchten hierzulande finden würden. AHA. (Nein, ich habe nicht mit der RAF und Stuttgart angefangen, obwohl es mich in den Fingern gejuckt hat). Danach hat sie uns über Gangs in Stuttgart ausgefragt.

Gangs.

In Stuttgart.

AHA.

Für die arme Frau besteht die Welt nur aus Terroristen und Kriminellen. Völlig neurotisch.  Gangs. Stuttgart. Oh Mann. (Diese Amerikanerin haben wir hier wiedergetroffen. Wie auch in der nächsten Jugendherberge. Damit ist dieses „Man begegnet sich immer zwei Mal“ auch abgehakt, denke ich.)

Zum Glück ging sie dann auch wieder – ich meine: was soll man da auch noch sagen? – und nach dem Frühstück ging es in Richtung Süden, nach Kilmartin.  Dort gibt es Steine, die etwas überambitioniert als „Henge“ bezeichnet wurden. Die Steine auf der Kuhweide, pardon, den „Henge“ mit den stehenden Steinen auf der Kuhweide samt passendem Cairn habe ich mir angeschaut. Der Mann hat schmunzelnd verzichtet. Es war auch derart unspektakulär. Aber man kann den Leuten dort keinen Vorwurf machen, denn was können die dafür, dass die Steinzeitvorfahren hier nicht spektakuläter gebaut haben?

Was mich hier in der abgelegenen Ecke bezaubert hat, war die Landschaft, die wirklich wunderhübsch war. Anders als an der rauhen Westküste. Und sogar noch einsamer; uns ist kilometerweit kein Auto entgegengekommen. Freie Bahn auf der Straße – der Mann hats genossen. Leider war der Rückweg bei strömenden Regen und auf miesen, schlaglochübersähten Straßen umso unangenehmer.

Nächste Station: Loch Lomond, ein Schloß. Schließlich darf es auch mal Nobel sein, nicht wahr? Hier stimmt übrigens das Sprichwort: „Außen Hui, innen pfui.“ Außen nobel, innen typisch Jugendherberge. Alles nur schöner Schein. Schade eigentlich, dass es langsam verrottet, weil es ein wirklich beeindruckender Bau ist. Innen. Da, wo die repräsentativen Räume sind. Aber um des lieben Geldes willen werden die schönen Bleiglasfenster nicht repariert, die Tapeten werden zerfressen, die Teppiche gammeln…zum Ausgleich dafür war es die teuerste Jugendherberge und die EINZIGE(!), in der den Gästen kein Tee bereit gestellt wurde.

Wir haben am nächsten Tag noch einmal bei unserem kleinen Bed and Breakfast übernachtet, bevor es dann endgültig wieder nach Hause ging. Der Rest der Rückfahrt, die in der Hauptsache aus Fähre und Fahren bestand, war nicht mehr interessant, nur ermüdend.

Wir sind Freitag abend wieder zurückgekommen und ich war so fertig, dass ich den gesamten Samstag geschlafen habe, während das Kind überglücklich sein lange allein gelassenes Spielzeug bespielt hat.

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Ich bin ausgebildete Verlagskauffrau, promovierte Kunsthistorikerin und inzwischen als Food- und Landschaftsfotografin bei mehreren internationalen Agenturen tätig. Ich habe mich der Fotografie gewidmet, weil kreatives Arbeiten unglaublich wichtig für mich ist und ich keinen Job ertragen könnte, bei dem ich von acht bis fünf am Schreibtisch sitze.

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