Mein Blog: Taktfreie Zone

Ich bin dann und wann unzufrieden mit meinem Blog. Mal gefällt mir das Theme nicht. Mal ist es, dass mir die Themen zu durcheinandergewurschtelt sind. Mal ist es, dass ich zu wenig Postings verfasse, die zu wenig spritzig sind. Schwelende Unzufriedenheit, der auch der Wechsel der Themes oder der Wechsel auf eine eigene Domain nicht Abhilfe verschaffen konnte.

Vor ein paar Tagen bin ich ins Grübeln gekommen: Habe ich denn wirklich Grund zur Unzufriedenheit? Ich bin auf einigen Blogs gewesen, die Streß pur verbreitet haben. Da wird um jeden Leser gerungen, es wird sich Sorgen gemacht um irgendwelche „Rankings“, es wird gegrübelt, warum an dem einen Tag nicht mehr Facebook-Likes durch das eine oder andere Posting entstanden sind, es werden durchgestylte Geschichten noch und nöcher erzählt, die den Lesern auf amerikanische Weise immer wieder versichern, dass diese „geliebt“ werden, Jubel, Trubel, Heile Welt.  Oder aber Ärger mit der Welt, die einen ach so schlecht behandelt, ein paar Drückerchen auf die Krokodiltränendrüse inklusive. Mir steigt der Blutdruck, wenn ich so etwas lese. Nicht nur, weil ich finde, dass diese Blogs einen unglaublichen Streß verbreiten, sondern auch fast alles tun würden, um in ihrem Ranking oben zu bleiben, was ich für meinen Teil ziemlich abstoßend finde. Abe das ist nicht mein Bier, um ehrlich zu sein. Ich muss solche Blogs ja auch gar nicht verfolgen.

Auf der anderen Seite habe ich dieses Posting hier gelesen und schließlich mein AHA-Erlebnis gehabt.

Ich habe gar keinen Grund, unzufrieden zu sein. Ich weiß, ich könnte meinen Blog als Marketinginstrument nutzen. Ich weiß: wenn ich mich auf eine Thematik konzentriere, meinen Blog redaktionell aufbereite, könnte ich mehr Leser haben. Ich könnte bei anderen mehr kommentieren, mich mehr vernetzen. Aber das bedeutet Zeit. Zeit, die ich nicht aufbringen WILL! Der Grund dafür ist, dass ich es verabscheue, zu organisieren, was natürlich im Alltag gar nicht geht. Inzwischen muss ich meine Fotografie organisieren, überlegen, ob und wie viel Zeit ich dafür veranschlagen kann. Ich muss Zeit fürs Schreiben finden. Zeit nehmen für Telefonate, Pressetexte, e-Book-Artikel und so weiter. Gehört dazu.

Zeit aber auch, um diverse Termine im Alltag auf die Reihe zu kriegen. Kurz: ich muss mich und den Alltag meiner Familie organisieren, was ich mehr schlecht als recht mache. Es klappt immer. Irgendwie. Natürlich. Aber es liegt mir nicht. Ich liebe es zu sehr,  spontan zu sein, in den Tag hinein zu leben, zu fragen: „Du, Knilch, hast du nicht Lust, Kastanien zu sammeln?“ – ganz ohne lange zu überlegen, ob nicht vielleicht ein Arzttermin, ein Termin beim Logopäden, Einkaufen, ein Telefonanruf, ein Handwerker, eine dringende E-Mail etc.pp. anliegt. Es ist normal, das geht jedem so.

Ich habe das Gefühl, dass die Uhr meinen  Tag bestimmt. Tick-Tack-Tick-Tack. Es bleibt wenig Zeit für Hobbies, die sich z.T. ohnehin bereits in Arbeit verwandelt haben und so einen ganz anderen Stellenwert haben (Endlich: Kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich stundenlang fotografiere und mir das wie Freizeit vorkommt :-)). Was nicht durchgetaktet ist, ist meine Zeit fürs Lesen – abends im Bett – und die Zeit fürs Bloggen. Ich will aus meiner Bloggerei keinen Streß machen, kein Kapital schlagen, kein Marketinginstrument machen, denn das würde für mich bedeuten, dass mein Blog, so wie er ist, mich belasten würde und ich dem Grübeln über Änderungen mehr Zeit widmen würde als ich eigentlich aufbringen will. Ich müsste zu allem anderen auch meinen Blog organisieren. Und nicht zuletzt: Meine Familie, Kind und Mann, wollen schließlich auch noch etwas von mir haben.

Bloggen ist nur Spaß, ein kleiner Luxus, den ich mir dann und wann erlaube. Und dazu gehört, dass ich mir keinen Kopp mache, wie viele Leser, Facebook-Fans oder Links ich bekomme. Rankings – Gott bewahre, darüber sollen sich andere Sorgen machen, ich wüßte noch nicht mal, wie das funktioniert! Ich will mir die Freiheit erhalten, nach Lust und frei Schnauze darüber zu schreiben, worauf ich gerade Lust habe – Bücher, Filme, Pseudophilosophisches, Fotografie, Rezepte, Alltagskram. Vor allem will ich mir die Freiheit erhalten, eben nicht zu schreiben, wenn ich keine Lust habe. Ich will mir keinen Kopf darüber machen, welche Geschichten ich schremir nicht den Kopf über jede einzelen Formulierung zerbrechen, keinen „Stil“ haben, sondern so schreiben, wie mir gerade ist – mal mit, meist aber ohne größeren Anspruch. Bloggen ist Freizeit und Entspannung. Und dabei soll es in Zukunft auch bleiben.

Ich denke, dass viele das anders sehen werden. Dass es dazu gehört, sich das fieberhafte „Rat-Race“ um Ruhm und Anerkennung auch in der Freitzeit zu geben. Leistung bringen, denn wir leben schließlich in einer Leistungs-Gesellschaft. Selbst in der Freizeit is tes erforderlich, gegeneinander anzutreten, etwas zu leisten, erfolgreich zu sein, sogar Geld verdienen in der Freizeit. Und Erfolg ist nun mal nur in Zahlen meßbar: Leserzahlen, Rankingzahlen, Likes, Kontobewegungen. Sorry: Nicht für mich.

Kommentare kriege ich aber immer gerne, daher: Nur zu.

 

Kategorie Allgemein

Ich bin ausgebildete Verlagskauffrau, promovierte Kunsthistorikerin und inzwischen als Food- und Landschaftsfotografin bei mehreren internationalen Agenturen tätig. Ich habe mich der Fotografie gewidmet, weil kreatives Arbeiten unglaublich wichtig für mich ist und ich keinen Job ertragen könnte, bei dem ich von acht bis fünf am Schreibtisch sitze.

7 Kommentare

  1. Hallo Susan
    es ist doch tatsächlich seltsam und schon fast ein Phänomen, daß solche Gedanken bei mehreren zur gleichen Zeit auftauchen, wie auch schon von Clee bemerkt wurde. Ich stimme dir einfach zu, ich blogge auch, weil es mir Freude macht, einfach mal zu schreiben oder Bilder zu zeigen, welche mir gefallen und die ich teilen möchte. Mach einfach weiter so, ich schau immer wieder gerne bei dir hier rein und lese mit, wenn ich auch seltener kommentiere.
    Wünsch dir einen schönen Sonntag – LG Siglinde

    • Nun, mit Kommentieren – da habe ich mich auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert…*räsuper*
      Vielleicht ist es gerade so, dass es einem vorkommt, als nehme die Kommerzialisierung von Blogs Überhand. Es ist nichts dagegen einzuwenden, hier und dort ein wenig Werbung zu schalten, um vielleicht die Providerkosten wieder reinzubekommen, aber ich denke, dass es keinesfalls der Hauptgrund fürs Bloggen sein sollte. Es soll Spaß machen, das sehe ich genau so wie du 🙂

    • Na ja, vermutlich ist für die betreffenden Blogs ja wirklich dieses Ehrgeizbestreben und Treppchenerklimmen das Gelbe vom Ei. Sein und sein lassen – mehr kann man da wohl nicht tun.
      Ich finde es dennoch schlimm, dass überall immer sofort ein Wettstreit ausbrechen muss. Tjaja, habt bloß keinen Spaß – der bringt euch ja nicht weiter. Ist das die Botschaft, welche die künftigen Generationen übermittelt bekommen sollen? Na dann gute Nacht. Sehr traurig. *seufz* Aber wohl leider nicht zu ändern.
      Doch sollen sich die anderen ruhig aufreiben, wenn es ihnen gefällt. Mir geht es jetzt so viel besser und nur das zählt für mich wirklich. 😉

      LG!

  2. Wirklich erstaunlich, dass dieses „Blog = Arbeit geht mir total auf den Geist – will ich nicht, brauch ich nicht“-Phänomen gleich mehrere zur gleichen Zeit beschäftigt. Ich kann dich sehr gut verstehen. Wie du in meinem Post gesehen haben dürftest, empfinde ich im Bezug auf das Posten genau das gleiche.
    Du hast wirklich kein Grund, unzufrieden zu sein. Was du hier verfasst hast, ist wirklich interessant und spannend zu lesen. Vor allem, da ich mich damit identifizieren kann.
    Ich will aus meinem Blog auch keine Werbeplattform für Hinz und Kunz machen, denn so wenig wie ich käuflich sein möchte, sollte das mein Blog sein. Es nervt mich deshalb immer tierisch, wenn mich tausende Organisationen etc. anschreiben, ob ich sie nicht verlinken oder Werbung machen könnte. Wenn ich sowas tue, dann weil ich selbst auf den Gedanken gekommen bin, weil es mir etwas bedeutet und weil es MIR wichtig ist. Klar, ich hab Reziexemplare bekommen, aber die wollte ich ja auch wirklich lesen – und ich hab immer noch auch private Bücher rezensiert.
    Eines hat mich beim Lesen deines Posts auch nochmal total erstaunt/geschockt. Ist für viele das „Ranking“ (wo überhaupt, nur bei Facebook?) echt so wichtig? Krass. Ich hab mich ja mit dem Massenlesen oder den viel zu hohen Ansprüchen an mich selbst übernommen, aber wenn ich mir auch noch um SO ETWAS Gedanken machen würde … da wird man ja total bekloppt o.O

    Ich bin auf jeden Fall gespannt, was es als nächstes von dir zu lesen gibt.

    Liebe Grüße

    Clee 🙂

    • Ich bn auf zwei, drei Blogs gestoßen, für die ist das Ranking der heilige Gral: Platz 1 bei irgendwelchen Bewertungsplattformen. Ich war sehr erstaunt, über welche Kinkerlitzchen sich Leute aufregen können. Aber gut, jedem Tierchen sein Pläsierchen.
      Ich bin ja über dein Posting auf meins gekommen. Zuerst habe ich einen Blog gelesen, der mir durch diesen übertriebenen Ehrgeiz, „etwas“ draus zu machen, komplett auf den Keks gegangen ist, wo ich dachte, dass es das auch nicht sein kann. Und dann dein Positng als angenehmer Gegenentwurf.
      Und hier muss ich sagen, dass mein Blog zum Glück nicht so bekannt ist, so bleiben mir die meisten dieser komischen Anfragen erspart.

  3. Ich will aus meiner Bloggerei keinen Streß machen, kein Kapital schlagen, kein Marketinginstrument machen, denn das würde für mich bedeuten, dass mein Blog, so wie er ist, mich belasten würde und ich dem Grübeln über Änderungen mehr Zeit widmen würde als ich eigentlich aufbringen will.

    –> du sprichst mir aus der seele, susan! ich habe in letzter zeit auch sehr viel darüber nachgedacht. mein freund & mein vater (hmm!) wollen mich immer dazu motiveren, doch „mehr“ aus meinem blog zu machen. „damit geld zu verdienen“. aber das will ich nicht. es ist mein HOBBY. es soll mir spaß machen. nachdem ich mich jetzt ein paar monate stressen hab lassen (ich muss noch einen beitrag schreiben! ich muss das noch fotografieren! ich habe diese woche noch nicht genug gebloggt! ich muss noch zu diesem event gehen!), lass ich es jetzt wieder gut sein. denn durch das habe ich die freude verloren. sogar am kochen. denn kochen bedeutete immer auch blog.

    deshalb: weiter so, susan! ich glaube, wir haben einen guten weg eingeschlagen.

    • Mir ist das aufgefallen, als ich auf Blogs gestoßen bin, die komplett unentspannt waren. Nicht, dass das der falsche Weg ist, für einige mag das genau das Richtige sein. Aber mir reicht es im normalen Leben schon mit dem übertriebenen Leistungsdenken, dem ich nichts abgewinnen kann.
      Ich glaube auch, dass wir auf dem richtigen Weg sind 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.