Caldo Verde

Das einzige, was ich am Winter hasse, ist die ewige Kälte. Eigentlich friere ich ab Ende Herbst und höre bis zum Sommer nicht mehr damit auf. Praktisch, wenn man in ein Haus zieht, das Extrakalt ist – das härtet ab. Aber egal, ich will nicht über die Temperaturen jammern, einfach nicht beachten ist die Devise. Übrigens klirren gerade meine Fingerknochen beim Tippen, hört ihr das…?

Zum Aufwärmen liebe ich im Winter Suppen in jeder Form. Hauptsache sie wärmt von innen. So eine Suppe darf natürlich nicht zu dünn sein. Grünkohl ist auch etwas, das wir lieben. Auch Grünkohl ist für mich ein wärmendes Gemüse. „Soul Food“ wie es die Briten und Amis nennen. Grünkohl wärmt durch und durch, wahrscheinlich, weil er so nach Omi und Kindheit schmeckt. Omas Grünkohleintopf war damals unschlagbar und ich sehe heute noch das eifersüchtige Gesicht meiner Mutter vor mir, wenn ich verkündet habe, dass ihr Grünkohleintopf ganz okay sei, aber…Und ja, ich war ein komisches Kind, das Grünkohl, Rübstiel und grüne Bohnen heiß und innig liebte.

Da Oma heute nicht mehr so oft kocht und ich auch nicht mehr in der Nähe wohne, muss ich eben selber für das warme Grünkohlgefühl der Kindheit sorgen. Leider gelingt es mir nicht. Ganz egal, wie lecker mein Eintopf wird – er schmeckt NIEMALS nach Omi und NIEMALS so gut wie damals. Er schmeckt immer nur nach Selbstgekocht. Ganz okay, aber…Die Lösung ist einfach, zu versuchen, nicht schlecht nachzuahmen, sondern einen eigenen Grünkohlwohlfühlfaktor zu finden. Wenn das mal nicht zu albern klingt. Aber was sollst. Caldo Verde – grüne Brühe – ist eine portugiesische Suppe, die alle Chancen hat, hier zur kulinarischen Stammbesetzung zu werden, sprich: ich könnte die immer wieder machen. Ist ja auch Grünkohl drin. Kein kalorienarmes Grünzeug bei der Menge an Olivenöl, aber was solls – meine Figur und ich haben ohnehin schon vor einiger Zeit beschlossen, getrennte Wege zu gehen. Außerdem ist die grüne Brühe so sättigend, dass man gar nicht so viel davon essen muss. Nächste Woche gibt es übrigens das Rezept für einen Grünkohlauflauf.

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Caldo Verde à la Jamie Oliver

  • 5 EL Olivenöl
  • 1 große Zwiebel, in Würfel geschnitten
  • 2 Knoblauchzehen, gehackt
  • 700 g Kartoffeln, in Würfel geschnitten
  • 400 g Grünkohl, in feine Streifen geschnitten
  • 150 g Chorizo, in Scheiben geschnitten
  • Paprikapulver
  • Salz, Pfeffer

Zwiebel in 4 EL Olivenöl ca. 5 Minuten bei mittlerer Hitze glasig anbraten. Den Knoblauch hinzugeben und ein, zwei Minuten mitdünsten. Achtung: Der Knoblauch darf nicht braun werden, sonst wird er bitter und ungenießbar. Die Kartoffeln unterrühren und mit 1,25 l Wasser ablöschen. 20 Minuten köcheln lassen bis die Kartoffeln weich sind. Mit einem Kartoffelstampfer grob zermatschen. Den Grünkohl ins Wasser geben und noch 5 Minuten weitergaren.

In der Zwischenzeit den übrigen EL Olivenöl in einer kleinen Pfanne erhitzen und die Chorizoscheiben darin anbraten. Am Ende ein bißchen Paprikapulver nach Geschmack hinzugeben (bei mir war es ca. 1/2 TL) und die Hitze sofort abdrehen. Die Suppe mit Salz und Pfeffer abschmecken, in Schalen füllen und die Chorizo samt ein paar Tropfen des aromatisierten Olivenöls verteilen.

Reicht für 4 hungrige Personen oder zwei Tage lang für zwei. Ach ja, ich habe gemogelt. Hier auf dem Foto ist keine Chorizo drin, weil wir festgestellt haben, dass die bei unserem Metzger fürchterlich schmeckt. Statt dessen haben wir Napolitana genommen, eine italienische Paprikasalami.

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Kategorie Allgemein

Ich bin ausgebildete Verlagskauffrau, promovierte Kunsthistorikerin und inzwischen als Food- und Landschaftsfotografin bei mehreren internationalen Agenturen tätig. Ich habe mich der Fotografie gewidmet, weil kreatives Arbeiten unglaublich wichtig für mich ist und ich keinen Job ertragen könnte, bei dem ich von acht bis fünf am Schreibtisch sitze.

8 Kommentare

  1. Hallo Susan,
    also zum Thema Kälte – alles was unter 30°C Plus ist ist Winter :-))! Caldo verde – eines meiner liebsten Gerichte aus Portugal – dort machen die Marktfrauen das Gemüse fix und fertig mit einer Schneidmaschine – wie bei Schnippelbohnen – super fein, meist ist auch noch Karotte und grüne Bohnen drin und gaaanz wichtig – Koriander! Und dann darf es auch schneien – so wie jetzt gerade.
    LG Hilde

    • ne, also Koriander, da kann man mich mit jagen. Das kommt mir nicht in den Topf, mir wird richtig übel davon. Aber grüne Bohnen und karotten rein – stelle ich mir extremst lecker vor, danek für den Tipp, da werde ich nächstes Mal dran denken 🙂

  2. Ich musste jetzt erstmal googlen was Grünkohl überhaupt ist – noch nie gehört geschweige denn gegessen. Da ich Kohl aber generell nicht so mag, belasse ich es dabei wohl auch. Wobei mir deine Fotos schon Appetit machen – aber Kohl….

    • Echt nicht? Grünkohl schmeckt gar nicht kohlig, sondern eher ein bißchen bitter. Wenn man es nicht lange genug kocht, sind die Blätter ziemlich hart und zäh. Ich habe übrigens gelesen, dass man statt Grünkohl auch Kohlrabiblätter verwenden kann. Ich kann mir das auch gut einfach mit Spinat oder so vorstellen, obwohl der nicht so kräftig schmeckt.

  3. Ich habe neulich das erste Mal Grünkohl gegessen … als eher Süddeutsche hatte ich mir das wesentlich schlimmer vorgestellt, aber dennoch …

    Der zweite Winter wird übrigens einfacher, man härtet tatsächlich ab. Sag ich jetzt mal so, mit zwei Pullis und eine Decke gewickelt.

    • Ja, definitiv härtet man ab. Mir gelingt es, die Kälte ein bißchen zu ignorieren. Sobald es über 0 Grad ist, ist es übrigens kein problem mehr. Nur bei Minustemperaturen ist es leicht fröstelig hier. Unterm Dach ini unserem Wohnzimmer kommt es mir überheizt vor, obwohl der regler auf „1“ steht? Komisch.
      Nein, Grünkohl ist absolut lecker, den muss man nur richtig zubereiten und natürlich diese leichte Bitterkeit mögen.

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