Manchmal ist es halt so

Manchmal leide ich unter dem, was meine Schwägerin „Ich-armes-Hascherl„-Symptom nennt. Die Anzeichen sind Selbstmitleid, Frust, Resignation und noch mehr Selbstmitleid. Ja, wenn man von diesem Symptom befallen ist, weil die böse, böse Welt mal wieder so gemein zu einem war, wenn man nicht verdient hat, was man bekommt oder nicht bekommt oder wenn alles generell nicht nach den Vorstellungen und Wünschen läuft, dann ist man arm dran. Wahrlich. Wenn es bei mir wieder so weit ist, dann setze ich mich in die Ecke und wüte vor mich hin. Ich bemitleide mich und zwar ganz fürchterlich. So lange, bis die Stimme der Vernunft unerwünschterweise zu mir sagt: „Nu, zieh dir den Schuh doch nicht immer an. Hör mal auf mit dem Gejammer, reiß dich zusammen und mach weiter. Hilft doch so nicht, so kommst du auch nicht weiter…“ Die Stimme der Vernunft klingt häufig wie der Ehemann, der meine emotionalen Ausbrüche nie so ganz nachvollziehen kann. Wieso mich Kleinigkeiten und Blödheiten so sehr in Anspruch nehmen.

Was soll ich sagen. Ist nun mal so. Es läuft nicht, wie ich es gerne hätte. Also arbeiten wir daran, dass es so läuft. Der beste Anfang ist ein Spaziergang, der mich ablenkt und mich wieder auf den Boden bringt.

Herbst (11 von 18)

Sind denn die Kleinigkeiten – ein fremder Hund hat schon wieder vor die Haustür gek*ckt, irgendein Typ meinte, seine Kippe im Blumenpott im Garten ausdrücken zu müssen (Hallo, was sucht der in unserem Garten?? Nur weil der Zaun kaputt ist, gibt es noch lange nicht das recht, einfach reinzulatschen und Dreck reinzubringen?), sechsWochen Dauerbesuch, der immer wieder zwischendurch die Fliege macht und sein leider nicht so ganz stubenreinem Hundetier in meiner Obhut lässt, ein gestresstes Kind, das sich erst einmal auf die Schule einstellen muss und nicht in der Lage ist, diesen Hund in Ruhe zu lassen und zu guter Letzt diverse blöde Leute (wenn ihr hier mitlesen solltet und euch angesprochen fühlt: Ganz genau. Ihr seid gemeint!), die einfach nur so nerven  – ja, wenn man genauer darüber nachdenkt: Ist das denn wirklich so schlimm? Ist es das wirklich wert, dass ich mich ärgere und darüber vergesse, wie viele gute Dinge es im Leben gibt? Der aufkommende Herbst, der aller Kälte zum Trotz eine meiner liebsten Jahreszeiten ist und fotografisch immer sehr ergiebig ist. Ein Spaziergang am Fluß mit Hund, die kühle, klare Luft, die ganz leicht nach Moder riecht, das Kind, das stolz auf seine Fußballanfänge ist und fröhlich über alle Lästermäuler (=rothaariges AK) hinweghört und mir sagt: „Die haben auch mal angefangen und waren auch mal so schlecht wie ich.“ Der Hund, der irgendwie doch ganz kuschelig und anschmiegsam ist, die Schwägerin, die irgendwie dann doch wieder ein willkommener Gast ist, nachdem sie drei Tage in der Schweiz verbracht hat und überhaupt.

Alos, bei Frust und „Armes-Hascherl“-Symptom: Einfach mal eine Riesenrunde gehen, sich die frische Luft um die Nase wehen lassen und Fotos machen. 🙂

 

Kategorie Allgemein

Ich bin ausgebildete Verlagskauffrau, promovierte Kunsthistorikerin und inzwischen als Food- und Landschaftsfotografin bei mehreren internationalen Agenturen tätig. Ich habe mich der Fotografie gewidmet, weil kreatives Arbeiten unglaublich wichtig für mich ist und ich keinen Job ertragen könnte, bei dem ich von acht bis fünf am Schreibtisch sitze.

2 Kommentare

  1. Ja, solche Phasen gibt es… Da muss man durch. Bei mir ist es so, dass ich all diese Kleinigkeiten bei Übermüdung nochmal viel viel schlimmer finde. Darum ist meine Standard-Abwehr-Technik schlafen. Danach ist alles halb so wild 🙂

    • Das funktioniert bei mir gar nicht. Wenn ich dann versuche zu schlafen, wälze ich mich hin und her und die Gedanken kreisen. Bei mir wirkt frische Luft besser. 🙂

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