Warum es manchmal besser ist, pingelig zu sein…

Foodfotografie ist pingelig, wie ich zu meinem Leidwesen öfter feststellen darf. Pingelig – wenn ich eines nicht bin, dann ist das pingelig. Staub und Fingerabdrücke sehe ich im täglichen Leben normalerweise nicht mal, das blende ich aus. Ich bin der Meinung, dass das Leben zu kurz ist, um sich über solche Kleinigkeiten aufzuregen. Es sei denn, die Schwiegermutter steht vor der Tür, dann sehe ich JEDEN Fleck, aber das ist eine andere Geschichte.

Auf Fotos wiederum sieht die Sache ganz anders aus. Sichtbaren Staub auf Fotos mag ich überhaupt nicht. Dabei meine ich nicht einmal die Flecken, die durch schmutzige Objektive oder einen verdreckten Sensor verursacht werden, sondern ganz einfach staubige und dreckige Fotomotive. Auf Fotos springt einem auch der kleinste Fussel noch ins Auge. Und wenn ich ganz ehrlich sein soll, kann ich über Fusseln noch hinwegsehen. Ich bin da sehr großzügig. Aber die Agentur nicht. Die mögen weder Wasserflecken auf dem Glas noch Fingertatschen noch Fusseln irgendwo im Bild. Auch Flecken von verschütteter Sauce oder Krümel, die dort sind, wo sie nicht hingehören. (Ganz zu schweigen von Bildrauschen, CAs oder unscharfen Bildern, aber das ist ja hier nicht das Thema).

Teabag-8

Also, kurz und gut, hier ist meine Erkenntnis des Tages: Wenn man fotografiert, egal was und speziell Food, muss man pingelig werden, sonst hat man nur noch mehr Arbeit. Ich habe zum Beispiel eine kleine Serie von Teebeutelmotiven hergestellt und habe jetzt erst, als ich die ganzen Dinger verschlagworten wollte, festgestellt, dass die Tasse staubig war.

Tee vergrößert

Schwarze Fusseln auf minimalistischen Bildern mag die Agentur nicht und mag ich auch nicht. Es sieht wirklich unschön aus, wie ihr hier sehen könnt. Da es aber so viele sind (d.h. viele Bilder und viele Fussel), will ich mir nicht die Arbeit machen, die wegzuretuschieren. Also: neu machen.

Merke: Schlampige Arbeit ist doppelte Arbeit. *seufz*

Kategorie Allgemein

Ich bin ausgebildete Verlagskauffrau, promovierte Kunsthistorikerin und inzwischen als Food- und Landschaftsfotografin bei mehreren internationalen Agenturen tätig. Ich habe mich der Fotografie gewidmet, weil kreatives Arbeiten unglaublich wichtig für mich ist und ich keinen Job ertragen könnte, bei dem ich von acht bis fünf am Schreibtisch sitze.

3 Kommentare

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  2. Wie ich gut bei Dir sehen kann, muss ich da wohl noch meinen Blick schärfen. Was ich auch mir mehr angewöhnen muss, immer mal die 100% Ansicht aufzuschrauben. Deine Fussel habe ich auf dem Bild vorher nämlich nicht gesehen 🙂

    • Ich ja auch nicht, ich habe nur wegen der chromatischen Aberration kontrollieren wollen und war wenig begeistert… 😉 Naja, für den Hausgebrauch ist es nicht weiter schlimm. das Dumme ist nur, dass man immer pingeliger wird, je mehr man den Blick für Fehler entwickelt. Jana kann dir mehr darüber erzählen, denke ich. 😉

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