Fenster und Türen – richtig, richtig lang :-)

Die blendende Sonne lachte und verlockte heute. Daher habe ich meinen Schreibtisch heute morgen verlassen und mir ein wenig frühlingsfrische Luft durchs Hirn pusten lassen. Ja, tatsächlich. Irgendwie wird es langsam Frühling. Nach dem fürchterlichen Mistwetter von gestern ist das eine sehr angenehme Sache. Dabei habe ich gleich die Fenster-und-Türen-Aufgabe der Shootingqueens in Angriff genommen, ein paar neue Ideen gehabt, die jetzt in der Mache sind und grundsätzlich wieder ein positiveres Gefühl als gestern. Ich bin wetterfühlig, vielleicht liegt es daran 🙂

Also, los gehts, auch diesmal wieder mit dem Smartphone – man fühlt sich dadurch nicht so exponiert wie mit der großen, finde ich.

Der erste Fenster-Türen-Stopp war bei den Nachbarn, bei denen eine halbe Scheunentür an der Wand klebt:

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Der nächste Stopp war an der Stadtkirche, die aber leider ungünstig in der Sonne stand. Das Portal ist sehr hübsch, auch wenn die Türen neu und scheußlich sind. Statt dessen zeige ich halt die Katze, die sich auf den Treppen herumgetrieben hat:
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Weiter gings zum ehemaligen Fruchtkasten des Deutschordens, wo Naturalienabgaben gelagert wurden. Also so eine Art Speicherhaus.

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Die Tür im Fenster fand ich recht witzig. Leider scheint das Gebäude nach und nach zu verfallen, was eine Schande ist.

Der nächste Halt war das Kellergeschoss des Oberamteigebäudes der Stadt. Ein Oberamt ist, wie ich jetzt nachschlagen musste, das alte Wort für eine württembergische Verwaltungseinheit, sprich: Hier fand damals die Bürokratie statt. Es handelte sich um das Kreisverwaltungsgebäude.

Hier finden sich noch die alten Tore und das Licht war einfach zu schön. Leider auch hier die Anzeichen des fortschreitenden Verfalls. Da sich das Gebäude an der Frontseite in einer der Slumgegenden des Städtchens befindet (Achtung Ironie, d.h. die Straße ist nicht die beste Wohngegend) und sich mit der Rückseite in irgendeiner Hintergasse der Altstadt befindet, wo die Touristenströme (wieder Ironie) nicht vorbei kommen, scheint es der Stadt auch recht egal zu sein. Traurig, da es ein wirklich schönes Gebäude ist.

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Wieder geht es weiter: Tolles Licht und die offene Tür der örtlichen Schreinerei, leider fällt der Müllbehälter daneben viel mehr auf als die Tür. Ist mir eben gar nicht aufgefallen… und eine Tür in der ehemaligen Schmiede des Örtchens, in dem sich heute auch ein Yogastudio befindet. Wenn ihr ganz genau hinschaut, seht ihr mich im Fenschderle.

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Irgendein Haus. Hübsch rosa und naja, irgendwie hat es mir gefallen:

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Nun die Tür des Haspelturms (Diebesturm) aus dem frühen 15. Jahrhundert. Hier wurden Diebe aufbewahrt. Die Tür selbst, von denen ich hier die Türbeschläge zeige, stammt erst von 1943. Davor gab es keine. Ungemütlich für die Diebe. Der berühmteste Häftling hier war Friedrich Schwahn, das „Sonnenwirtle„, von Friedrich Schiller unsterblich gemacht (und ich bin sicher, den kennt trotzdem keine Sau…).

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Das Städtle hat einen weiteren Turm, dem sogenannten Pulverturm:

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Der ist aus dem Jahr 1492 und wurde von Privatleuten erbaut. Die Mauern sind, wie mich das Anschlagtäfelchen informiert hat, gut 3 Meter dick und der Turm wurde als Lagerraum für Schießpulver verwendet und gehörte zur Stadtbefestigung. Außerdem haben die Einheimischen hier eine Vorliebe für Turmgefängnisse, wie es aussieht, denn der Turm wurde im 19. Jahrhundert auch als Gefängnis verwendet.

Weitere Türen und Fenster:

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Dazwischen zur Auflockerung eine Wendeltreppe. Aber auch hier sind Fenster zu sehen, daher zählt das. Finde ich.

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Und zu guter Vorletzt das wohl abgefahrendste Fenster der Stadt. Man beachte die geschmackvolle Fensterdekoration, die auch schon antik ist…

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Jetzt zu allerletzt meine eigene Tür, d.h. nur der Türklopfer, da das Foto verwackelt war und ich jetzt nicht noch mal rauswill:

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Aufgefallen ist mir bei dem Rundgang einmal, wie hübsch das Städtchen auch in den Seitengassen ist. Überall charmanter Verfall. Auf der anderen Seite jedoch ja – Verfall, Vernachlässigung und oftmals totales Desinteresse am architektonischen Erbe. Es waren kaum wirklich schöne Türen und Fenster zu finden. Alles Alte ist mitlerweile ersetzt. Die neuen Türen und Fenster sind entsetzlich funktional. Häßlich trifft es, oder? Das finde ich traurig, dass heutzutage überhaupt kein Wert mehr auf Ästhetik gelegt wird. Liebevolle Details, Individuelle Ausschmückungen? Fehlanzeige. Ich frage mich ja oft, ob bei vielen gar nicht das Bedürfnis nach Schönheit besteht? Hauptsache, es funktioniert? Ist billig? Ich weiß nicht. Ich denke, dass Schönheit nicht nutzlos ist, sondern der Seele gut tut. Dinge, Gebäude schön auszugestalten zeigt doch, dass man sich kümmert, dass es wichtig ist und dass man es wertschätzt, wo man lebt. Die Dinge bekommen dadurch Seele. Statt dessen tun wir heutzutage alles dafür, Dinge zweckgebunden erscheinen zu lassen, als wäre das das Einzige, worauf es ankäme. Aber: Architektur kann auch als Spiegel der Gesellschaft gesehen werden – und das ist ein Gedanke, der Nachdenklich stimmt, oder nicht?

Nun, ich jedenfalls habe beschlossen, dass die untere Türe, die mir gruselig unsicher vorkommt, trotz allem bleibt. Dieses Jahr wird sie angestrichen, damit sie auch wieder in neuem Glanze erstrahlt. Und ein neuer Riegel kommt dort hin…

Kategorie Zeig uns deine Stadt

Ich bin ausgebildete Verlagskauffrau, promovierte Kunsthistorikerin und inzwischen als Food- und Landschaftsfotografin bei mehreren internationalen Agenturen tätig. Ich habe mich der Fotografie gewidmet, weil kreatives Arbeiten unglaublich wichtig für mich ist und ich keinen Job ertragen könnte, bei dem ich von acht bis fünf am Schreibtisch sitze.

9 Kommentare

  1. Pingback: Zeig uns Deine Stadt – Februar | Shootingqueens

  2. Dein fotografischer Rundgang gefällt mir sehr gut. Das genaue Hinschauen in der eigenen Stadt lohnt sich ungemein, weil sich dadurch Welten eröffnen, die man beim schnellen Durchfahren vielleicht keines Blickes gewürdigt hätte.
    Wie stellst du deine Kamera ein, damit sich der schwarze Rand ergibt? Oder fügst du ihn nachträglich zu?

    • Hallo Karin,
      das mit dem Rand habe ich nachträglich in der Bearbeitung gemacht – die sind ja alle recht heftig bearbeitet. Aber da die mit dem Smartphone entstanden sind, ist das okay. Ein bisschen Spielen darf man und nicht immer muss die Fotografie bierernst sein 🙂

  3. Mir ging’s so ähnlich wie Dir, man weiß gar nicht, wo man anfangen soll … das nächste Mal nehmen wir Die Modere oder die Postmoderne in Eurer Stadt … damit wir was zum Suchen haben 😉

    • Die Moderne… hihi, ich glaube, die fängt im 18. jahrhundert an, als hier alles niedergebrannt war, hört Mitte des 18. Jahrhunderts auf und geht Mitte des 20. Jahrhunderts mit all diesen scheußlichen Betonklötzen weiter. Die Ästhetik der betonklötze, das wäre doch mal ein Thema für eine Serie… 😉
      Aber Fenster und Türen hat mir sehr gut gefallen, ich denke, cih werde das Thema in Italien noch mal aufgreifen. Leider erst im Sommer…

      • Mein Vater hat uns im Urlaub immer mit seinen von uns SCHNAAAAAAPSCHÜSSEN genannten Fotos von Türen und Fenstern genervt, immer musste man warten, immer wieder stehen bleiben … *hüstel* jetzt fotografiere ich selbst liebend gerne Türen und Fenster …

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