Dies & Das, was vom 365-Tage-Projekt übrig geblieben ist und ein paaar Gedanken zur Smartphoneography

Eigentlich hatte ich vor, jede Menge vom Tisch zu kriegen: einen Haufen Bilder, eine sehr unangenehme eMail, einen Telefonanruf, Steuern *hüstel*…, einen Blogbeitrag über eine Methode zur Rauschentfernung, die Überlegung, in welche Richtung es mit dem Blog hin soll (Rezepte, nur Fotos, Fotothemen oder alles auf einmal?)… aber tatsächlich habe ich – wenn man davon absieht, dass ich ein paar Flecken aus meinen Bildern retuschiert habe, die durch eingetrocknete Wassertropfen entstanden sind, die ich mal besser gleich entfernt hätte – nichts davon geschafft. Ich bin inzwischen so realistisch, dass ich weiß, dass ich gerade mal die Hälfte von dem schaffe, was ich mir am Tag vorgenommen habe. Heute habe ich wirklich so gut wie gar nichts geschafft, nicht die Hälfte oder gar ein Viertel, da ich ein kleines Glühwürmchen zu Hause hatte, das auf dem Sofa vor sich hinleidet und Gesellschaft wollte und betüddelt werden wollte.

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Das Wetter war wohl einfach zu viel für ihn.

Daher muss mein Blogbeitrag über die Rauschentfernung bis morgen oder gar bis übermorgen warten.

Nun, dann zeige ich eben ein paar Fotos. Ich muss zugeben, dass mein ehrgeiziges 365-Projekt eines friedlichen, langsamen Todes gestorben ist. Ich hatte weniger und weniger Lust, mich damit auseinanderzusetzen und als ich am Ende nur noch lustlos ein Foto geknipst habe, weil es das Projekt erforderte und nicht, weil ich Lust drauf hatte, besonders kreativ zu sein, habe ich das Experiment für gescheitert erklärt.

Zwischenzeitlich hatte ich nicht einmal Lust auf das Smartphone; was mich daran gestört hat, war die Bildqualität. Wieder einmal bin ich in die altbekannte Denkfalle getappt, dass die Kamera schuld sei an den doofen Fotos. Dabei wollte ich mich nicht auf die Beschränkungen der Smartphone-Kamera – wie z.B. Bildqualität, Brennweite, Rauschen, Kontrastumpfang – einlassen. Natürlich hat so eine Smartphonekamera nicht die Kapazitäten einer um so viel teurerern DSLR. Aber das soll sie ja gerade nicht. Sie soll Spaß machen, unkompliziert zu bedienen sein und man soll schnell knipsen können. Böse Falle, denn „schnell knipsen können“ verursacht auch ganz rasch richtig miese Fotos.

Ich glaube, den Fehler machen wahnsinnig viele. Die Technik an sich ist eher naja… wissen wir ja alle. Aber gerade dann ansprechende Bilder aus dem Dingens herauszukitzeln, ist eine Herausforderung. Man muss sich tatsächlich Zeit nehmen, Mühe geben, eher Komponieren als Fotografieren. Um Einstellungen brauche ich mir nicht die geringsten Gedanken machen – es fällt mir in der Tat schwer, diese Kontrolle abzugeben. Statt dessen muss ich mir mehr um das Bild selbst Gedanken machen, sofern ich ein gelungenes Bild möchte. Es gibt viele großartige Beispiele, dass es tatsächlich geht. Ich poste selber nicht gerne bei Instagram, weil mir das alles viel zu umständlich ist, aber ich browse gerne. Die Plattform ist viel experimenteller und vielfältiger als z.B. Flickr. Die Fotos sind oft interessanter, anregender.  Vielleicht freunde ich mich doch damit an, es kann sein, dass das eine Weile dauert. Schließlich bin ich ja nicht mehr die Jüngste und neuen Plattformen nicht mehr ganz so aufgeschlossen wie damals, als ich noch ein junger Hüpfer von 35 war.

Es ist in der Tat egal, welche Kamera man in der Hand hat: Man kann mit jeder Kamera miese Bilder machen. Man kann mit jeder Kamera gute Bilder machen. Es kommt eben darauf an, was man will. Wenn ich ein paar Familienschnappschüsse will, die absolut privat sind und der Erinnerung dienen, dann ist es mir (einigermaßen) egal, ob die Bilder in den Augen anderer gut sind oder nicht. Wenn ich aber mit der Smartphonekamera gute Bilder machen will – Himmel, dann muss ich mir doch tatsächlich Mühe geben! Apps und Filter unterstützen, zaubern können sie nicht. Ja, die Fotos sind dafür gedacht, stark bearbeitet und verfremdet zu werden. Aber auch ein noch so toller Filter zaubert mir kein taugliches Bild. Und ich glaube, dass ich genau damit Schwierigkeiten habe: Wozu mir damit Mühe geben, wenn die Bildqualität das gar nicht rechtfertigt?

Aber wisst ihr was? Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es egal ist. Gut, wenn ich es nicht ausdrucken kann, weil die Bildstruktur so gut wie zerstört ist, ist das schade, gerade, wenn mir das jeweilige Foto gefällt. Aber ich habe auch genügend Bilder gespeichert, die trotz allem gehen; bei denen ich mich nicht ärgere, weil sie in Ordnung sind – nicht für eine 2x2m-Leinwand, klar, das nicht. Aber für kleine Abzüge. Wenn ich welche machen würde. Lieber freue ich mich über ein gelungenes Foto als dass ich mich über Kleinkram wie Hotpixel und leichte Unschärfen ärgere. Man könnte das zum Thema „Loslassen“ zählen: Loslassen vom übermäßigen Perfektionsanspruch.

 

Kategorie Allgemein, Smart

Ich bin ausgebildete Verlagskauffrau, promovierte Kunsthistorikerin und inzwischen als Food- und Landschaftsfotografin bei mehreren internationalen Agenturen tätig. Ich habe mich der Fotografie gewidmet, weil kreatives Arbeiten unglaublich wichtig für mich ist und ich keinen Job ertragen könnte, bei dem ich von acht bis fünf am Schreibtisch sitze.

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