Eine gute Frage: Designschutz für Geschirr? 6 Fragen an Rechtsanwältin Aliki Busse

Angesichts der Klagewelle, die im Internet manchmal um sich greift, Stichwort: Getty und die Designermöbel, macht man sich ja schon manchmal Gedanken, wie die rechtliche Seite aussieht, wenn es um Geschirr, Besteck & Co. geht. Gibt es auf diese Dinge einen Schutz? Was riskiert man, wenn man als FoodfotografIn Tässchen und Teller von renommierten Porzellanherstellern oder besonders schicke Küchenmaschinen in Bilern verwendet? Eine der Teilnehmerinnen unseres Seelenwärmer-Projekts hatte mich vor einiger Zeit diesbezüglich gefragt. Karin hat zum Glück gute Kontakte, so dass es ihr gelungen ist, eine Anwältin zu interviewen, die sich mit solchen Dingen, sprich: Gewerblichen Rechtsschutz, auskennt.

Designschutz für Geschirr: Das sollten Food-Fotografen beachten

Dr. Aliki Busse Artikelbild_5Dr. Aliki Busse arbeitet als Rechtsanwältin in München und hat sich auf den gewerblichen Rechtsschutz spezialisiert. Im Interview erklärt sie uns, auf was Food-Fotografen achten sollten.

1. Viele Food-Fotografen benutzen am liebsten Geschirr und Besteck vom Flohmarkt. Warum sind sie damit rechtlich auf der sicheren Seite?

Dr. Aliki Busse: Am besten arrangieren Fotografen das Essen auf weißen, runden Tellern und Getränke in schlichten Gläsern ohne Aufdruck, denn dann kann niemand erkennen, von welchem Hersteller das Geschirr stammt. Das gilt für Teller und Tassen vom Flohmarkt ebenso wie für Gläser, Messer und Vasen, die es noch im Laden zu kaufen gibt.

Aber selbst bei Markengeschirr von namhaften Firmen brauchen Fotografen nicht von vornherein befürchten, dass sie von den Herstellern abgemahnt werden. Die meisten freuen sich, dass ihr Geschirr auf einem schönen Food-Foto zu sehen ist.

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2. Das Urheberrecht gilt 70 Jahre. Aber wie steht es mit dem Designschutz?

Es könnte sein, dass für ein besonders schönes Dekor ein Urheberrecht besteht. Das gilt ebenso bis zu 70 Jahre nach dem Tod des Entwerfers. Zu unterscheiden ist davon das Schutzrecht für Design, das maximal 25 Jahre gilt. Die Zeitspanne ist aber nicht automatisch so lang, denn die Hersteller müssen den Designschutz alle 5 Jahre verlängern.

Außerdem gibt es noch das so genannte nicht eingetragene Design, das 3 Jahre ab Veröffentlichung gilt und zwar – und das ist das Unangenehme für die Fotografen – ohne dass es eingetragen werden muss und damit recherchierbar wäre.

Wer also Geschirr, Gläser und Besteck aus dem Haushalt der Generation der Großeltern benutzt, ist allemal auf der sicheren Seite. Bei noch nicht ganz so altem Geschirr sollten Sie sich davon überzeugen, dass der Designschutz bereits abgelaufen ist.

 

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3. Markengeschirr erkennt man vor allem dann auf einen Blick, wenn es eine ungewöhnliche Form hat, wenn das Muster auffällig ist oder wenn gar der Tellerrand, das Glas oder die Messerklinge mit dem Firmenlogo bedruckt ist. Scheidet solches Geschirr von vornherein für die Food-Fotografie aus?

Nein, denn es kommt darauf an, ob die Firmen ihr Geschirr in Deutschland designrechtlich geschützt haben. Auf diesen 3 Webseiten können Sie nachschauen, ob der Designschutz in Deutschland gilt:

Deutsches Patent- und Markenrecht in München: Registerauskunft

Harmonisierungsamt für den Binnenmarktin Alicante / Spanien: Recherche für EU-Designrecht

Design View: Recherche zum Designrecht der einzelnen Länder

4. Wie steht’s mit dem Geschirr, das sich Food-Fotografen von Reisen nach Amerika oder Asien mitgebracht haben?

Für Teller und Tassen, die im fernen Ausland hergestellt wurden, gilt nicht automatisch auch der Designschutz für die EU. Denn das müssen die Hersteller extra beantragen. Food-Fotografen, die die Rechtslage in der EU überprüfen möchten, wenden sich an das Harmonisierungsamt.

5. Was sollten Food-Fotografen sonst noch beachten?

Sie sollten tunlichst nicht auf die Idee kommen, den Herstellernamen in die Bildunterschrift zu schreiben. Denn das könnte eine Markenverletzung bedeuten, auch wenn die Firmen in solchen Fällen nur sehr selten klagen. Es wäre auch keine gute Idee, das Geschirr so zu fotografieren, dass das Firmenlogo deutlich zu erkennen ist.

Um keinen Ärger zu riskieren, lassen sich Bildagenturen von den Fotografen unterschreiben, dass sie mit ihren Bildern keine Marken- und Designrechte verletzen. Die Textvorlagen zum Property Release gelten für alle Gegenstände auf dem Bild – also auch das Geschirr und alle Etiketten auf Flaschen, Dosen und anderen Verpackungen.

laid table-236. Wie reagieren die Hersteller auf die Anfragen von Food-Fotografen, ob sie deren Produkte auf Bildern zeigen dürfen?

Ich empfehle, ganz offensiv an die Firmen heranzutreten. Schreiben Sie einige Hersteller an, und erklären Sie, für welches Medium Sie das Geschirr fotografieren wollen. So lernen Sie einander besser kennen und wissen aus erster Hand über die Rechtslage Bescheid.

Es wäre sogar einen Versuch wert, ausgewählte Firmen zu fragen, ob sie Ihnen Geschirr zum Fotografieren zur Verfügung stellen würden. Denn das ist ja auch eine Form von Werbung für die Hersteller.

Text von Karin Hertzer
Fotos von mir. Bitte beachtet hier, dass ich keinerlei Gewähr übernehme, da ich mich in diesem Bereich überhaupt nicht auskenne.
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3 Kommentare

  1. Diese rechtlichen Dinge machen meist nur halb so viel Spaß wie das Fotografieren selbst. Aber es hilft ja nichts: Wir müssen uns damit beschäftigen, ob wir wollen oder nicht. Denn niemand mag eine Abmahnung riskieren. Dann wird der Ärger noch viel größer.

  2. Gutes, wichtiges Thema! Beim Shoot the Food-Workshop sprach ich es 2012 schon einmal an. Dort wurde die Frage aber nur belächelt und nicht als wichtig erachtet. Da ich mich schon seit etlicher Zeit mit dieser Thematik befasse, schreibe ich Hersteller eindeutig erkennbarer Produkte seit Jahren direkt an.
    Ikea hat mir z. B. geantwortet, dass ihre Produkte frei nutzbar sind. Green Gate hingegen möchte lieber selbst entscheiden, wer ihr Geschirr wie ablichtet (und die Fotos anschließend kommerziell verwendet).

    • Es ist ein langweiliges Thema und wahrscheinlich haben sich die Damen noch nie Gedanken darüber gemacht – aber das haben die Leute, die diese Designermöbel fotografiert haben, wahrscheinlich auch nicht… ich habe auch noch nie nachgefragt, aber in Zukunft weiß ich Bescheid. Schließlich weiß man ja nie, wer mal auf die Idee kommt, einen Anwalt auf einen zu hetzen…

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