Buchtipp: Die große Fotoschule

Heute habe ich mal einen Buchtipp: Die große Fotoschule von Christian Westphalen. Eigentlich sollte es ja „nur“ eine Rezension werden. Doch schon die ersten Seiten überzeugten mich davon: Hier weiß jemand genau, wovon der redet.

Christian Westphalen ist Fotograf. Klar, das sind die meisten, die Bücher über Fotografie schreiben. Er arbeitet als Fotodesigner und Autor und hat irgendwann in den 90er Jahren studiert und sich schon damals mit computerbasierter Bildbearbeitung und digitaler Fotografie beschäftigt. Apropos: Digitalkamera – die erste kommerziell erhältliche Digitalkamera gab es bereits 1973 und hatte die sensationelle Auflösung von 100×100 Pixel (=0,01 MP). Angesichts der heutigen Werte… 😉 Aber das nur als interessante Randinfo.

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Das Buch

Das Buch „Die große Fotoschule – Digitale Fotopraxis“ umfasst über 700 Seiten. Ein stolzer, gewichtiger Schinken. Es umfasst 12 Kapitel; ganz traditionell wird mit den Technikfragen angefangen, anschließend über Licht, Bildgestaltung, Farbe, Schwarzweißfotografie, Motive und sogar Video gesprochen. Schön fand ich, dass Herr Westphalen hier nicht mit der hochnäsigen Fotografenattitüde an die Technik herangeht, sondern betont, dass diejenige Technik die Beste ist, die am besten zu einem passt. Und das begründet er auch. Ausführlich. So ausführlich, dass ich schon an diesem Punkt das Buch empfehlen kann. Hier wird – zwar etwas ermüdend und trocken, wenn man nicht so sehr an Technik interessiert ist – ziemlich ausführlich auf Funktionsweisen einer Kamera eingegangen, Aufbau eines Sensors und Objektivs, etc., allerdings verzichtet der Autor auf Fachchinesisch. Selbst ich habe nun verstanden, wie eine chromatische Aberration zustande kommt und was der Unterschied zu einer longitudinalen chromatischen Aberration (LoCA) ist. Und zwar ohne das unsägliche Halbwissen und oberlehrerhafte Auftreten, das in einschlägigen Foren oft gang und gäbe ist. Und es geht schneller als Internet. Neben der Theorie kommen auch praktische Tipps nicht zu kurz, z.B. wenn Westphalen darauf eingeht, wie man ein Objektiv testet. Oder wie man sich eine digitale Lochkamera baut. Das werde ich übrigens ebenfalls mal ausprobieren und darüber berichten, so etwas mache ich immer wieder gerne: Unkomplizierte Fotoexperimente.

Nach der Besprechung der Kameras und Objektivewerden die praktischen Fragen thematisiert: Weißabgleich ist z.B. ein Thema und was das Problem des automatischen Weißabgleichs ist. Er geht auf Lichtrichtungen und Lichtqualitäten ein, schreibt über Low-Key, High-Key und die verschiedenen Methoden der Lichtmessung, und…und…und… sämtliche Kapitel bieten nichts wirklich Neues oder Überraschendes. Alles hat man in der Regel schon irgendwo einmal gehört oder selbst ausgeklüngelt, manches ist Standardwissen. Aber der Autor hat schließlich auch kein Buch geschrieben, das beansprucht, besonders originell zu sein. Zum Glück. Was man hier als Leser bekommt, ist ein solides und umfangreiches Nachschlagewerk über die gesamte Palette der Fotografie. Für Spezialwissen gibt es andere Bücher. Will man einen allgemeinen Überblick und ein bisschen wissen, wie so eine Kamera eigentlich funktioniert, kann ich, trotz der tendentiell eher technischen Ausrichtung, die ein solches Buchkonzept schließlich auch verlangt, empfehlen, hier zuzugreifen. Noch ein ideales Fotogeschenk für Fotografen – Anfänger und Fortgeschrittene!

buchDie große Fotoschule -Digitale Fotopraxis

Christian Westphalen
Print: € 39,90
E-Book:€ 34,90
712 Seiten, 2., aktualisierte und erweiterte Auflage 2013, gebunden, in Farbe
ISBN 978-3-8362-2384-3
Galileo-Verlag

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