Ideenlos – wie wärs mit einem Ideentagebuch?

Heute morgen war es dann soweit. Das, was ich schon die ganzen letzten Wochen befürchtet hatte, war eingetreten: Ich habe keine Idee. Nichts. Im Kopf völlige Leere. Der Fotoapparat steht schussbereit neben mir, die Akkus fast alle aufgeladen. Und ich sitze da und zerbreche mir den Kopf, was zum Kuckuck ich knipsen könnte. Ein Käsebrot vielleicht? Ein viergängiges veganes Ostermenü? Eine Karotte? Was habe ich – abgesehen von Weihnachtskeksen – eigentlich noch in der Küche, das schön genug ist zum Fotografieren?

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Normalerweise wäre das nicht so schlimm, denn ich habe garantiert immer noch irgendwo auf der Festplatte Fotos herumfliegen, die bearbeitet werden müssen. Aber ausgerechnet heute nicht. Gestern auch schon nicht. Das heißt, doch, ich habe Fotos, die bearbeitet werden müssen, aber erst einmal muss ich morgen den Haufen loswerden, den ich da habe, sonst verliere ich vollends die Übersicht. Ich habe nämlich Anfang der Woche endlich mal meine Smartphone-Fotos fertig machen wollen und dabei festgestellt, dass mein Smartphone (wieso nicht mehr Handy? Das war so schön kurz? Oder heißt es doch noch Handy?) Bilder doppelt abspeichert. Oder dreifach. In verschiedenen Versionen unter verschiedenen Namen. Manche Apps sagen mir nicht mal Bescheid, dass sie gespeichert haben, so dass ich Fotos doppelt bearbeite und noch mehr Versionen habe. Einen echten Smartphone-Workflow habe ich noch nicht. Mit der großen Kamera geht das ganz easy-peasy und schnell: Fotografieren, runterladen, aussuchen, alles, was übrig geblieben ist, löschen, beschreiben, ab zur Agentur. Aber ich mache eher selten Handyfotos, was dazu führt, dass ich da das gleiche heillose Chaos habe, das ich am Anfang mit meinen großen Agenturfotos hatte.

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Aber nun gut, das ist eine andere Baustelle. Ideenlosigkeit ist diese hier. Zum Glück habe ich für das schwarze Loch gut vorgesorgt. Da ich immer mal wieder in die Situation der fehlenden Eingebung komme und oft keine besonders guten Fotos entstehen, wenn ich spontan aus meinen Küchenschränken irgendetwas herausgrabble, habe ich ein Ideentagebuch angelegt. Oder etwas nüchterner: ein schnödes Notizbuch, in dem ich spontan alles mögliche aufschreibe, was ich mal bei Gelegenheit fotografieren könnte. Nicht schlau ist es allerdings, alles durcheinander aufzuschreiben, weil man hinterher nichts mehr wiederfindet. Schön ist hier, dass eine Idee oft zur nächsten führt. Aufschreiben kann ich, wann immer mir was einfällt, ganz ohne Zwang und Druck.Vor allem aber ist es hilfreich, weil man nicht am Schreibtisch sitzt, sich den Kopf zerbricht und aus reiner Ideenlosigkeit irgend.etwas knipst, sondern man seine Stichworte, die evtl. sogar noch mit Bildidee notiert sind (ja, das mache ich auch), durchblättert, sich sagt: Ach, guck, das habe ich ja zu Hause, das könnte ich tatsächlich machen, usw. Danach kann ich in aller Ruhe ein paar Bildideen recherchieren und loslegen. Wenn ich nämlich das Gefühl habe, ich MUSS JETZT ein Foto und noch eine IDEE aus dem Ärmel, resp. der Kamera zaubern, dann geht nichts mehr.

Es ist eine wirklich simple Lösung und ich tue jetzt einfach mal so, als sei sie ein Geniestreich statt das Naheliegendste, was man tun kann.

 

Kategorie Foto-Tipp

Ich bin ausgebildete Verlagskauffrau, promovierte Kunsthistorikerin und inzwischen als Food- und Landschaftsfotografin bei mehreren internationalen Agenturen tätig. Ich habe mich der Fotografie gewidmet, weil kreatives Arbeiten unglaublich wichtig für mich ist und ich keinen Job ertragen könnte, bei dem ich von acht bis fünf am Schreibtisch sitze.

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