Aus Ommas Likörschränkchen

Am Samstag habe ich Eier vom Markt geholt. Hübsche weiße Eier, mittelgroß, Freiland. Und auf einmal kam mir der Gedanke „Eierlikör“. Wieso? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es das Alter? Es hält sich ja hartnäckig das Gerücht, dass ältere Damen immer ein Likörchen im Schrank lagern, um nachmittags ein, zwei Gläschen davon zu süppeln. (Das Gerücht ist übrigens nicht wahr. Meine Oma würde keinen Eierlikör anrühren. Ein Gläschen Altbier lehnt die gute alte Dame nicht ab, aber dieses süße Zeug mag sie nicht).

Eierlikör ist für mich jedenfalls ein Alte-Damen-Getränk. Etwas angestaubt, altmodisch. Hat irgendwie den Charme von Schrankwand, Eiche rustikal, Käsepilzen, Marianne Rosenberg und kackbraungrüner Tapete mit psychedelischen Mustern. Damals hatte irgendwie jeder eine Schrankwandbar, so ein Fach, das man ausklappen konnte und in dem sich jede Menge Likörchen und Schnäppse befanden. Mit Beleuchtung und Spiegeln. Auch meine Eltern. Damals war Eierlikör „in“. Man trank das zu jeder Gelegenheit. Vielleicht war es gar nicht so, aber mir kam das als Kind immer so vor.

Homemade advocaat (egg liqueur)

Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich mit meinem damaligen besten Kindergartenfreund C. „Erwachsene“ gespielt habe. Und was trinken Erwachsene? Richtig. Wir haben den Barschrank von C.s Eltern ausgeräubert und zum Glück auf die harten Sachen verzichtet, dafür aber das süße gelbe Getränk genascht, das die Erwachsenen immer tranken. Es gab ganz schön Ärger und die Barschränke waren zu Hause und in der Nachbarschaft komischerweise immer abgeschlossen, wenn ich irgendwo zu Besuch war… 😉

Vielleicht ist es dieses Kindheitstrauma, vielleicht ist es Nostalgie, jedenfalls ist Eierlikör einer der wenigen Liköre, die ich überhaupt mag. Normalerweise kann man mich mit süßen Alkoholika eher jagen. Und zum Glück bin ich inzwischen in einem Alter, wo ich mit „Coolness“ nicht mehr viel am Hut habe.

Gekauft kann man das allerdings nicht trinken. Selbermachen schmeckt besser und ist – ehrlich gesagt – so easy-peasy, einfacher geht es gar nicht. Und passt auch ganz gut zu Ostern, finde ich 🙂 Übrigens: Eierlikör, also Advocaat, wurde ursprünglich gar nicht aus Eiern gemacht, sondern aus Avocado. Glaubt ihr nicht? Dann lest hier nach –>Klick.

Homemade advocaat (egg liqueur)Zutaten

  • 6 Eigelb
  • 100ml Ahornsirup (Vorsicht, lieber etwas weniger nehmen, abschmecken und nachfüllen, denn Ahornsirup ist süßer als Haushaltszucker)
  • Das Mark 1 Vanillestange
  • 400ml Kondensmilch (10%)
  • 250ml Rum, 54%

Zubereitung

Eier trennen, das Eiweiß für irgendwas anderes aufbewahren. Eigelb mit Ahornsirup und Vanille schaumig schlagen, nach und nach die Kondensmilch und den Rum hinzufügen. Dabei immer schön schlagen. Eigentlich ist das hiermit schon fertig. Aber um den Eierlikör richtig schön sämlig zu machen, kann man die Eiermasse im Wasserbad in einer Bain Marie (das ist der noble Fachausdruck dafür, ein anderes Wort für: Ich stelle einen kleinen Topf in einen mit Wasser gefüllten großen Topf) langsam unter Rühren erhitzen bis das Ganze dickflüssiger wird. Nicht kochen! Ganz wichtig, sonst stockt das Ei. Noch warm in saubere Flaschen füllen, aber nicht ganz voll machen, da es sein kann, dass die Masse so dickflüssig wird, dass man den Likör mit Rum oder Kondensmilch verdünnen muss.

Am besten gleich in Flaschen mit weitem Hals abfüllen… 🙂

Hält sich ca. 2 Wochen im Kühlschrank.

Info: Da hier rohe Eier drin sind, sollte der Alkoholgehalt bei über 10% liegen.

Print Friendly
Kategorie Foodfotografie, Rezepte

Ich bin ausgebildete Verlagskauffrau, promovierte Kunsthistorikerin und inzwischen als Food- und Landschaftsfotografin bei mehreren internationalen Agenturen tätig. Ich habe mich der Fotografie gewidmet, weil kreatives Arbeiten unglaublich wichtig für mich ist und ich keinen Job ertragen könnte, bei dem ich von acht bis fünf am Schreibtisch sitze.

3 Kommentare

  1. Pingback: Eierlikör-Gugelhupf | Elisabeth von Pölnitz-Eisfeld

    • Es schmeckt ein bisschen so wie Vanillesauce mit Rum 😉 Kein Vergleich zu dem gekauften Verpoorten. Ein kleines Fläschchen habe ich als Verglecihsmaterial zu Hause gehabt und konnte es nicht trinken. Und wenn du es nicht magst, ich finde als Mitbringsel zu Ostern ist es auch ganz hübsch.
      im Kuchen habe ich so was noch nie probiert, das wäre mal eine Überlegung…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.