Ein paar Tage in der Provence – Teil 2

… und weiter gehts. (Wer bei Teil eins anfangen möchte, macht {klick}.

Sonntag war das Kind mit Entscheiden dran: Es ging an den Lac-de-Sainte-Croix in der Verdon-Schlucht zum Kanufahren, Schwimmen und Tretboot fahren. Ich habe in der grellen Mittagssonne am See gesessen und 3/4 eines meiner meines Buches durchgelesen und ab und zu die Hunde ins Wasser gescheucht. Kind und Mann waren Kanufahren. Auf dem Tretboot danach konnten wir dann wieder alle zusammen fahren. Unser kleines Hündchen hatte Schiß und wollte die ganze Zeit nur zittern und kuscheln. Unsere große alte Dame, eigentlich eine einzige fleischgewordene Panikattacke, fand es hingegen ganz gemütlich, besonders nachdem sie ihre Angst, das Boot zu besteigen (iiiihhh, Wasser an den Füßen, bis ganz hoch an den Bauch!) vergessen hatte.

Am Montag war ich wieder dran: ich wollte Lavendelfelder fotografieren. Gegen Abend, wenn das Licht schöner ist. Aber zuerst sind wir zum im Nachbarort gelegenen Wasserfall gefahren, den wir am Vortag entdeckt haben und der sonntags komplett überfüllt ist. Montag ist kaum jemand da, was sehr angenehm ist. In den Ferien muss der Platz elend überfüllt sein. Der Wasserfall war, wie wir vor Ort festgestellt haben, nicht die eigentliche Attraktion, sondern das durch den Wald mänandernde Flüsschen, das von diesem Wasserfall gespeist wurde. Es war der reinste Traum: Durch den Wald schlängelte sich ein türkisfarbenes, erfrischend kühler Wasserlauf, der hier und dort kleine Teiche bildete, es gab Wasserfälle und Inseln. Ein Idyll, das wir gar nicht mehr verlassen wollten. Sehr ihr, ich werde auch schon ganz poetisch…

Wir mussten dem Kind hoch und heilig versprechen, vor Ende der Ferien noch mal wiederzukommen, sonst wären wir, glaube ich, immer noch da und würden diskutieren bis uns die Lippen fransig werden.

Danach ging es zu den Lavendelfeldern, die leider ein wenig weiter weg lagen. Dort angekommen, musste ich dem Mann ins Gewissen reden, dass er zwar Hunger haben darf, wir aber keineswegs eine Stunde durch die Gegend gefahren sind, damit ich schnell mal eben zwei Minuten am Straßenrand eine Fotosession runterreiße. Hat er auch eingesehen. Der Hunger wurde unterdrückt, das Boulespiel ausgepackt und ich bin in das Lavendelfeld abgerauscht. Leider hat hier das Wetter nicht mitgemacht. Statt warmen abendlichen Sonnenschein gab es eine trübe Suppe, weil ausgerechnet an diesem Tag Wolken aufgezogen sind. Pünktlich, als ich meinen Fotoapparat rausgeholt habe. Die Wolken haben sich dann ca. 30 Minuten nach Ende der Fotosession wieder verzogen. Es hat wohl nicht sein sollen. *seufz* Aber zum Glück gibt es ja Lightroom.

Dienstag. Was war nur am Dienstag..???… ach ja, gar nichts. Wir haben uns unser eigenes Städtchen endlich mal angeschaut. Wir haben den Wochenmarkt besucht, sind ein wenig durch die Stadt geschlendert, der Mann hat sich mit Trüffeln (unfotografiert) eingedeckt und dann kam die Klage vom Kind, dass er keine Lust mehr hat, zu warm und überhaupt. Er wollte nirgendwo mehr hin. Die Hunde auch nicht. Wir wollten unsere schöne Aussicht und Kir trinken. Mehr nicht. Passte ja dann 🙂

Mittwoch durfte der Mann wieder aussuchen und der wollte nicht, wie ich, an die Côte d’Azur und Meer sehen. Alles Schmollen half nicht, wir sind nach Draguignan gefahren um dort festzustellen, dass die vollmundigen Versprechen des Online-Reiseführers nicht ganz ernst genommen werden sollten. Es war nett, nur gab es nichts Spezielles zu sehen. Wir sind daher einfach nur so durch die Straßen geschlendert, haben die Hunde ab und zu in irgendwelche Brunnen geworfen (35°C – die alten Damen brauchten die Abkühlung) und als unsere Große dann fast endgültig schlapp gemacht hat, sind wir auch wieder gefahren: Schließlich hat unsere Aussicht auf uns gewartet und außerdem wollten wir unsere Hunde ja nicht umbringen.

Donnerstag war auch schon alles vorbei. Wir haben gepackt und noch einmal, wie versprochen, die Wasserfälle besucht, wo das Kind begeistert immer wieder durch einen der kleinen Wasserfälle gestapft ist, über Felsen geklettert ist und Stöckchen für die Hunde ins Wasser geworfen hat.

Es war ein angenehmer Abschluss eines sehr ruhigen Urlaubs. Es war nicht perfekt: Ab und zu gab es Krach mit dem präpubertären Kind, das der Meinung war, dass wir Eltern einfach nur nervig und doof sind, das seine Ruhe wollte, das einfach keinen Bock auf Eltern hatte, es gab keine tollen, außergewöhnlichen Fotos, keine extravaganten Restaurant-Besuche, keine wahnwitzigen Ausflüge, einfach nur Erholung und Tapetenwechsel.

Schön wars.

Kategorie Allgemein, Landschaft & Reise

Ich bin ausgebildete Verlagskauffrau, promovierte Kunsthistorikerin und inzwischen als Food- und Landschaftsfotografin bei mehreren internationalen Agenturen tätig. Ich habe mich der Fotografie gewidmet, weil kreatives Arbeiten unglaublich wichtig für mich ist und ich keinen Job ertragen könnte, bei dem ich von acht bis fünf am Schreibtisch sitze.

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