Ein Tag im Homeoffice

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Im Moment sind viele zu Hause im Homeoffice und ich kenne viele, die wirklich darunter leiden. Meine bessere Hälfte zum Beispiel kann zu Hause nicht arbeiten. Wir haben einen Büroraum, sind aber zu dritt und ich renne obendrein oft rauf und runter, um zu kochen, fotografieren, zu bearbeiten, am Computer zu sitzen, usw. Ihm ist das einfach viel zu unruhig und er fährt daher ins derzeit fast leere Büro, um in Ruhe zu arbeiten.

Der Sohn wächst gerade im Büro fest – dort kann er am besten an den vielen Videokonferenzen der Schule teilnehmen – ich bin mir übrigens nicht sicher, ob er nicht schon Wurzeln geschlagen hat. Wer weiß das schon? Ja, und ich wechsle munter zwischen Küche und oberstem Stockwerk hin und her.

Ich dachte mir, dass ich hier einen kleinen Einblick gebe, wie mein Tagesablauf aussieht, einfach so. Man kann ja nicht die ganze Zeit nur über Essen reden, bzw. schreiben. Was passiert hier im Augenblicke-Haus? Derzeit nicht viel. Meist arbeite ich. Im Homeoffice ist es, meiner Meinung nach, besonders wichtig, einen Ablauf zu haben, an den man sich halten kann. Ich mache das ja schon seit Jahrein, Jahraus, da kennt man die Tricks des Schweinehundmonsters nur zu gut. Es ist zu verlockend, mal eben den Fernseher einzuschalten, noch eine Seite im Buch zu lesen, noch eben mal bei Insta vorbeizugucken… da ist ein klein wenig Disziplin wichtig und natürlich, dass man sich schlicht und ergreifend einen Ablauf angewöhnt.

Im Büro ist das einfacher, da muss man arbeiten. Ganz klar, man fährt zu diesem Zweck dort hin und macht nichts anderes, wenn man von ein oder zwei Päuschen mal absieht. Das finde ich sehr hilfreich, da man sich nicht selbst motivieren muss, sondern seine Motivation gewissermaßen von außen bekommt. Oder eben auch nicht, da es im Grunde ja scheißegal ist, ob du motiviert bist oder nicht: aber schaffen musst du. Aber ich schweife ab, ich schreibe dazu mal ein eigenes Posting.

Also, dann hier mein Tagesablauf, der coronabedingt zur Zeit immer relativ gleich ist

Klar, erst einmal stehe ich auf. Wer macht das nicht? Der Mann ist dann meist schon mal dabei, das Haus zu verlassen. Sein Konzept: Ich stehe früher auf, um früher Feierabend zu machen, funktioniert nur zu 50%: Der Teil mit dem früher Feierabend machen ist noch ausbaufähig. Ich kriege dann jedenfalls meinen Kaffee ans Bett geliefert, was ich absolut fantastisch finde.

Als nächstes wecke ich den Sohn. Der Mann ist zwar der Meinung, das sei nicht nötig, er sei alt genug. Mir macht das Wecken nichts aus: Selbstverständlich ist der Sohn alt genug, um ohne mich aufstehen zu können, aber irgendwie lege ich Wert darauf und mache es richtig gerne- vielleicht, weil meine Mutter das auch so gemacht hat, so lange ich noch in der Schule war.

Ich trinke meinen ersten Kaffee aus. Das ist meine halbe Stunde am Morgen, die ich hemmungslos verschwenden kann. Instagram, Facebook, Youtube-Videos, Bücher lesen, dumm aus dem Fenster starren? Egal! Das ist meine Zeit, den Kaffee zu genießen und einfach nichts zu tun oder komplett sinnlose Sachen zu machen. Aber ich muss aufpassen, dass die Mußestunde nicht zu lange dauert: Seit gut zwei Wochen folgt anschließend meine Workout-Zeit: So lange die Hunde noch schläfrig sind und ihre Ruhe haben wollen. Ihr glaubt gar nicht, wie nervig es sein kann, wenn Hund a gekuschelt werden will und Hund b hysterisch bellend herumspringt, weil die mit der Zappelei nichts anfangen kann.

Zubereitung von Café Latte

Lasst mich nicht lügen: Es ist nicht Workout-Zeit, sondern Yoga-Zeit. Dieses Workout-Herumgehampel à la Pamela Reif ist nicht so richtig was für mich. Vier Mal die Woche mache ich Workout und zu 99% entscheide ich mich für 20-30 Minuten Yoga. Heute hatte ich ein Homeoffice-Yoga-Video erwischt. Wie würde mein Sohn bei der ein oder anderen Übung sagen? “Eyyyy, Alter, nicht dein Ernst, oder?” Ich mache die Videos aus dem Kanal echt gerne, weil die meinem Rücken guttun, aber … gute Güte, bin ich außer Form. Der Yoga-Lehrer wirkt so harmlos und sanft, aber einige der Übungen haben es echt in sich! Aber meinem Rücken geht es seitdem so viel besser! Es ist unfassbar, wie viel so ein bisschen Yoga bewirken kann. Danach folgen der zweite Kaffee und das Frühstück.

Dann heißt es: Hunde und gegebenenfalls Kind füttern und die mittlere Hunderunde laufen, die ca. 45 Minuten dauert. Das reicht, um wach zu werden. Erst dann fange ich an zu arbeiten. Was ich mache während des Tages? Seit neuerdings habe ich sogenannte Batchdays eingeführt. Das hilft enorm, dem Chaos hier entgegenzuwirken. Was Batchdays sind, fragt ihr euch? Das sind Tage, an denen ich ähnliche Aufgaben zusammenführe und auf einmal erledige. Letzten Montag zum Beispiel war so ein Monthly-Duty-Day (das klingt einfach flotter als monatlicher Langweiliger-Aufgaben-Tag-die-aber-erledigt-werden-müssen), der Ablage, Buchhaltung und Papiere sortieren beinhaltet hat. Wenn ich an diesem Tag nichts anderes geplant habe, dann fällt es mir schlicht und ergreifend leichter, mich an den Plan zu halten. Sonst verschiebe ich das alles nur und greife ja doch wieder zur Kamera, weil das mehr Spaß macht und die blöde, aber notwendige Arbeit sammelt sich, bildet ein Gebirge und es fällt mir nur noch schwerer, damit anzufangen.

Mein Arbeitstag im Homeoffice geht bis ca. 16 Uhr, 16.30 Uhr, mit eventueller Unterbrechung, um für den Nachwuchs was zu Essen zu machen. Ich weiß, das ist nicht allzu lange, aber ich habe schließlich auch noch mein Projekt X, den Haushalt, die Kocherei für die Familie, die Hunde. Das macht ja auch keiner für mich. Daher ist es ja um so wichtiger, dass ich meine Zeit sinnvoll einteile und nicht vor lauter To-Dos kopflos herumrenne und sie vertüddele. Eine zweite, kurze Hunderunde folgt oft anschließend, zwischendurch brauche ich einfach noch mal frische Luft, damit mir der Kopf durchlüftet (heute nicht, es regnet Bindfäden, das mag keiner von uns).

Eine kurze Pause und ab 17 Uhr bis 19 Uhr arbeite ich an Projekt X, zu dem ich eventuell irgendwann einmal mehr erzähle, ich übe Saxophon und mache noch ein bisschen Haushalt, bzw. koche.

So klappt es natürlich nicht immer, meist kommen noch irgendwelche Sachen dazwischen, wie z.B.: “Schaaahaaaaatz, hast du an den Zucker gedacht?” Öhhhhm… nicht so wirklich… Oder auch, sehr selten: “Mamaaaaa, hast du Lust, was zu spielen, mir ist sooooo langweilig.” Das mache ich doch dann, ganz klar! Die Zeit mit dem 14-jährigen muss ich nutzen, das wird nicht mehr lange so gehen.

Ich bin ganz ehrlich: Ich bin recht froh, dass jetzt, während der Corona-Zeit viele Sachen nicht mehr laufen, die extrem viel Zeit kosten. So zum Beispiel fällt mein Orchester weg, der Musikunterricht und die wöchentlichen Treffen der Bürgervereinigung. Ja, ich liebe alles, mir fehlt alles, aber es funktioniert einfach alles besser ohne. Auch die Fahrdienste für den Nachwuchs fallen weg. Das liebe ich weder noch vermisse ich es.

Sobald der Mann nach Hause kommt, wird auch er noch gefüttert und wir gehen gemeinsam die große Hunderunde. Immer. Egal, ob Regen, Schnee oder Sturm. Danach falle ich letzten Endes müde ins Bett, eventuell lese ich noch etwas und ärgere mich, dass ich nicht alle Dinge auf meiner To-Do erledigt habe.

Joa… das war es. Langweilig? Mir egal, im Moment passt es mir so. Wie sieht euer Tagesablauf so aus? Schreibt mir doch in die Kommentare, wenn ihr Lust habt.

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