Eine neue Mitbewohnerin

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Wir haben eine neue Mitbewohnerin. Darf ich vorstellen: Hermione (alias Minnie Maus, alias Mimi). Hermione ist vor zwei Wochen bei uns eingezogen. Eigentlich hieß sie Melli, was wir alle aber so gar nicht ausstehen konnten. Melli. Nein, danke, muss nicht. Ein neuer Name musste her. Aber Halt, ich fange besser am Anfang an wie es dazu kam, dass die kleine Schönheit bei uns einzog.

Gute Reise, mein Püppchen!

Das alles fing mit einem sehr traurigen Ereignis an. Im September mussten wir unsere kleine Pippin, unsere zähe, unzerstörbare Terrierdame gehen lassen. Es war ein Schock für uns, wie schnell unser kleines Energiebündel abgebaut hatte, bzw. wir haben es natürlich gesehen, dass sie alt und langsam wurde, dass sie grantig wurde, dass sie mehr und mehr schlafen und ihre Ruhe haben wollte. Wir haben gesehen, dass sie nicht mehr mit ihren geliebten Tennisbällen spielen wollte, nicht mehr durch die Gegend toben wollte, keine Mauselöcher mehr aufgebuddelt hat, sich nicht mehr in diversen Tierhinterlassenschaften gewälzt hat, kurz: dass sie alt geworden war. Wir wollten es nicht sehen. Wir wollten es nicht wahrhaben. So alt war sie doch noch gar nicht! Und dann war es so weit, der Tag, von dem wir wussten, dass er kommen würde und von dem wir gewünscht haben, dass er niemals kommen möge. Es ging rasend schnell. Eine Woche Leiden, ein Häufchen Elend, eine Woche Hoffnung, dass doch noch alles gut werden würde, eine Woche, in der ich sie nicht mehr alleine gelassen habe. Nach dieser Woche: Einer der schlimmsten Tage unseres Lebens und Trauer. Püppi, wir vermissen dich unendlich und hoffen, dass es dir – wo immer du auch jetzt mit deiner Kumpeline Bella herumtollst – gut geht.

Nach einer Weile kam das Gefühl einer gewissen Unvollständigkeit auf. Es fehlte was. Pippin hat eine riesige Lücke hinterlassen. Wir haben lange überlegt und uns dann geeinigt, dass wir wieder einen Hund aus dem Tierheim nehmen wollten. Die Suche fing an. Oder vielleicht sollte ich vielmehr sagen, dass wir gar nicht mal aktiv gesucht haben, sondern immer mal wieder diverse Tierheimseiten besucht haben und sympathische Hunde herausgepickt haben. Eines sollte es nicht werden: Ein Jack-Russell. Pippin ist absolut unersetzlich und wir wollten einen komplett anderen Hund, um zu verhindern, dass wir jedes Mal, wenn wir auf unseren neuen schauen, eigentlich Pippin sehen. Jack-Russell-Terier sind klasse, aber wir wollten einen Neustart.

Filou

Ja, und Anfang November haben wir Filou im nächsten Tierheim entdeckt, dessen Name Programm war. Wir haben einen Termin ausgemacht, sind hingefahren, damit sich die Hunde kennen lernen, denn die Entscheidung lag bei unserem Ozzy Oswald. Hätte der sich nicht vertragen, hätten wir so verliebt sein können, wie wir wollen, es wäre nicht in Frage gekommen. Und ja, tatsächlich, es kam nicht in Frage. Die Tierheimleiterin hat sich strikt geweigert, uns Filou in die Hände zu geben, da die Kombi ihrer Meinung nach nicht gut gegangen wäre. Filou braucht starke Halter mit guten Nerven und Durchsetzungsvermögen. Das hat sie uns scheinbar nicht zugetraut.

Hier, unser Schmosilius, der Entscheider, aus seinem wohlverdienten Schlaf gerissen

Jetzt doch nicht Filou und andere Hindernisse

Ja, wir waren wegen Filou da. Aber: der erstbeste Hund, den ich im Tierheim entdeckt habe; der erstbeste Hund, der im ersten Kennel in der Quarantänestation war, war Minnie Maus, die mich mit großen, treuherzigen Augen angeschaut hat. Eigentlich wusste ich da schon: Das ist sie! Und sie war es auch. Doch bis wir sie mit nach Hause nehmen konnten, waren einige Stolpersteine zu nehmen. Zunächst einmal gehörte sie nicht dem Tierheim, sondern das hatte sie nur in Verwahrung. Eine Woche später, beim zweiten Besuch, haben die beiden Hunde getobt und wir die Botschaft bekommen, dass die Kleine mit Herzwürmern infiziert war, die behandelt werden mussten, möglichst schnell. Und immer noch keine Nachricht des Eigentümers. Der nächste Besuch ergab, dass wir sie nicht besuchen durften, weil sie Schwanger war und Ozzy vermutlich weggebissen hätte. Die gute Nachricht war, dass sich der ursprüngliche Eigentümer nicht mehr gemeldet hat, weil er Ärger bekommen hätte: Sie war illegal in Deutschland, sie war nicht kastriert, nicht gechippt, sie war krank. Hätte er sie zurückgenommen, hätte er auch die Behandlungskosten übernehmen müssen. Daher war schon klar, dass er sie nicht wieder haben wollte. Wieder ein Telefonat später haben wir entschieden: Wir warten. Ein weiteres Telefonat: Sie war nur Scheinschwanger, sollte kastriert werden, ob wir sie noch vor Weihnachten abholen könnten? Nein, das war nicht möglich, die Schwiegereltern hätten einen Anfall bekommen. Wir wussten ohnehin nicht, wie wir den beiden das beibringen sollten. Schwiegerpapa mag keine Hunde, Schwiegermama eher die Kleinen. Und da waren wir und wollten ein halbes Kalb mit nach Hause nehmen!

Im neuen Jahr, direkt am ersten Montag, war es so weit. Wir sind ins Tierheim gefahren. Ich habe Leine und Geschirr eingepackt, der Mann hat zweifelnd gefragt, ob ich tatsächlich damit rechne, sie jetzt schon mitnehmen zu können. “Schadtnix!”, war meine Antwort. Und so war es dann auch, die Leute im Tierheim konnten sie uns gar nicht schnell genug in die Hand drücken, nachdem klar war, dass Ozzy und Minnie gut miteinander klar kamen. “Aber sie braucht eine starke Hand, gute Nerven und viel Durchsetzungsvermögen, da ist ein Mioritic drin.”, so letzte Ermahnung die Tierheimleiterin. Also exakt die Gründe, wieso sie uns Filou nicht überlassen wollte. Apropos Geschirr: das hätte ich mir sparen können, das passte nicht. Sie war deutlich größer als ich sie in Erinnerung hatte.

Hermione zieht ein

Wir hatten uns natürlich sofort Erhalt nach der guten Nachricht überlegt, wie die Hundedame denn nun heißen soll. Hermione war die erste Idee, mit der unser Harry-Potter-Fan einverstanden war, schließlich wurde Hermione im ersten Buch auch als etwas zottelig beschrieben. Passte gut. Es kamen noch einige andere Vorschläge wie Cassiopeia (wie superblöd!), Caplypso (blöd zu rufen), Hildegard (kein Kommentar, nur verächtliches Schnauben seitens des Kindes), Luna (passt nicht). Lupoaica (die Wölfin) stand als weiterer Name in der engeren Wahl, hätte super gepasst, aber Kind hat sich auf Hermione eingeschossen, daher war das so. Hermione. Ich musste schlucken, als ich sie wiedergesehen habe, denn ich hatte sie nicht so groß in Erinnerung. Sie ist ca. doppelt so groß wie Ozzy und hat ihm das auch direkt klar gemacht. Beim Fressen versteht sie keinen Spaß. Da ist nicht nur ein kleiner Anteil Herdenschutzhund drin. Und wir haben früher schon beschlossen, dass uns nie, niemals nie nicht ein Herdenschützer ins Haus kommt, ganz gleich, wie niedlich wir Mioritics finden. Tja. Sag niemals nie, so sagt man doch, oder?

Ach, Minchen, die weißen Socken sind so goldig!

Nach zwei Wochen kann man noch kein Fazit ziehen, wir sind noch in der Honeymoon-Phase der Hundebeziehung, aber bislang ist sie einfach nur Zucker. Sie hört, sie ist sensibel, etwas ängstlich und zu Hause komplett tiefenentspannt. Im Telefonat mit der Tierärztin wurde sie als “extremer Angsthund” beschrieben… öhm, nö. Sie ist draußen ängstlich. Sie hat Angst vor Autos. Absolut verständlich, denn sie ist durch einen Autounfall überhaupt erst im Tierheim gelandet. Aber sonst? Ne, bis jetzt ist sie Traumhund. Sie kommt gerade etwas aus ihrer Schale heraus und zeigt etwas “schlechtes Benehmen” in Puncto Territorialverhalten (d.h. eigentlich vollkommen normales Benehmen für so einen Hund), was wir mit Hilfe eines Trainers aber sicher managen können werden.

Und nein, es findet kaum jemand witzig, dass unsere Hunde sich ähnlich sehen und kaum jemand spricht uns darauf an… oder so

Völlig verwackelt, aber es ist nicht ganz so einfach, wenn man alleine mit den beiden unterwegs ist
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